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38/2017

Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen ... Und er sprach mit großer Stimme: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre.“

Offenbarung 14,6-7

Der Apostel Johannes war von der römischen Obrigkeit auf die Strafgefangeneninsel Patmos verbannt worden. Inmitten dieser Trostlosigkeit wurde ihm in einer Serie von Visionen der Weg der Gemeinde bis zur Aufrichtung des ewigen Reiches Gottes gezeigt. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, sind sie für alle Nachfolger Christi überliefert.

Als Höhepunkt vor der Wiederkunft Christi wurde Johannes in einer Vision die globale Verkündigung des ewigen Evangeliums gezeigt. Alle Menschen werden aufgefordert: „Fürchtet Gott!“ Was bedeutet das? Sollen wir vor Gott Angst haben? Das ist doch bestimmt keine frohe Botschaft!

Zwar kommt diese Aufforderung selten im Neuen Testament vor, jedoch sehr häufig im Alten Testament. Die in Israel allgemein bekannte Wendung übernahm die frühchristliche Gemeinde und übertrug sie aus der hebräischen in die griechische Sprache. Sie blieb im Wortlaut der Bibel bis heute erhalten, wenn sich auch die Welt inzwischen vielfach verändert hat und das vor allem in den vergangenen hundert Jahren.

Gott zu fürchten hat weder mit Angst vor Gott zu tun noch mit Ehrfurcht vor ihm. In 5. Mose 10,12 wurde dem Volk Israel die Wendung „Gott fürchten“ mit drei Aussagen erklärt: „... dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele.“ Gott zu fürchten, das betrifft zuallererst die persönliche Beziehung zu Gott: Gott bedingungslos zu vertrauen, ihn zu lieben und auch in Krisen und Problemen an ihm festzuhalten.

Das Opfer, das Jesus am Kreuz für die Sünden der Welt brachte, zeigt den hohen Preis, den Gott in seiner Liebe bezahlt hat. Die Erkenntnis seiner Liebe weckt in uns Gegenliebe (1 Joh 4,19) und die Bereitschaft zum Halten der Gebote (Kap. 5,3). Und die Gewissheit seiner Liebe befähigt mich, an ihm festzuhalten, auch wenn Gottes Handeln mir unbegreifbar wird.

Mag vielen die Wendung „Gott fürchten“ auch antiquiert erscheinen - sie umfasst laut 5. Mose 10,12 die grundlegenden Elemente der Beziehung zu Gott.

Manfred Böttcher


© Advent-Verlag Lüneburg

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