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35/2017

Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!

Matthäus 7,12

In der letzten Zeit habe ich beim Autofahren mehrmals ziemlich gefährliche Situationen erlebt. Fahrer haben durch riskante Überholmanöver sich und mich in große Gefahr gebracht. Dabei haben sie eine durchgezogene Linie überfahren, was laut Straßenverkehrsordnung verboten ist. Solche Situationen sind leider keine Seltenheit. Durchgezogene Linien werden von vielen Autofahrern offenbar nicht ernst genommen. Sie zu überfahren wird als Kavaliersdelikt angesehen und die Gefährdung anderer in Kauf genommen. Wären sie aber selbst betroffen, würden sie sich maßlos aufregen über so ein rüdes Fahrverhalten.

Dies soll kein Nachhilfeunterricht in korrektem Verkehrsverhalten sein. Ich schreibe darüber, weil mir Parallelen zu unserem Verhalten als Menschen im Umgang miteinander deutlich geworden sind. Um jeden von uns gibt es unsichtbare, durchgezogene Linien, die unsere Grenzen bilden. Durch das Überschreiten dieser Linien fühlen wir uns angegriffen oder uns werden Verletzungen zugefügt. Wir nehmen Schaden. Wenn wir betroffen sind, weil andere unsere Grenzen überschreiten, merken wir das sofort und reagieren verärgert und verletzt.

Ist uns aber auch bewusst, dass wir mit unserem Reden und Tun vielleicht auch die Grenzen anderer überschreiten? Oft merken wir das nicht einmal, oder wir tun es als „Kavaliersdelikt“ ab. In Bezug auf unsere Mitmenschen oder auch im Gemeindeleben fällt mir leider immer öfter auf, dass Menschen, die sich für andere engagieren - statt Anerkennung zu hören -, hintenherum kritisiert werden, was sie alles hätten besser machen können. Es wäre besser, diese Kritiker würden das Miteinander positiv mitgestalten.

Ich für meinen Teil werde einmal in mich gehen und darüber nachdenken, wann ich das letzte Mal die „durchgezogene Linie überfahren“ und dadurch einen Menschen verletzt habe.

Eine gute Regel besagt: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Diese Regel ist nichts anderes als eine Umformulierung des heutigen Andachts-wortes von Jesus. Die Gute Nachricht Bibel gibt es folgendermaßen wieder: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Mt 7,12)

Gerhard Mellert


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