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16/2017

Als [Maria] das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?" Sie meint, es sei der Gärtner und spricht zu ihm: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen." Spricht Jesus zu ihr: „Maria!" Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: ... „Meister!"

Johannes 20,14-16

Es ist schon merkwürdig, wie wenig die Leute aus dem engsten Kreis um Jesus vom Heilsplan Gottes verstanden hatten. Immer wieder hatte der Herr davon geredet, dass er leiden und sterben müsse, aber am „dritten Tag“ aus dem Grab zurückkehren werde. Doch nicht einer aus dem Jüngerkreis hatte das wirklich ernst genommen - nicht einmal die Frauen, die oft ein besseres Gespür für das Unfassbare haben als Männer.
Für uns ist das ein Hinweis darauf, wie konkrete Aussagen an Bedeutung verlieren können, sobald sie durch den Filter vorgefasster Meinungen und das Sieb persönlicher Erwartungen gepresst werden.

Da sucht Maria den Lebenden bei den Toten. Dann steht sie vor Jesus und hält ihn für den Gärtner. Erst als Jesus sie anspricht, begreift sie: Der Herr lebt! Und dann gibt es kein Halten mehr. So schnell die Beine sie tragen, läuft sie zu den verängstigten Jüngern und bringt ihnen die Osterbotschaft: „Ich habe den Herrn gesehen!“ (V. 18)

Wie oft mögen wir Jesus begegnet sein, ohne ihn zu erkennen? Wenn wir sehen wollen, wie Gott ist und was er tut, müssen wir uns von ihm die Augen öffnen lassen - auch und gerade beim Ostergeschehen.

In Frankreich, und zwar in der Gegend von Piemont, gibt es einen alten Brauch. Wenn am Morgen des Ostersonntags zum ersten Mal die Glocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene an den Dorfbrunnen und waschen sich mit dem kalten Wasser die Augen. Die meisten Leute kennen die eigentliche Bedeutung dieses Brauchs nicht mehr und laufen nur mit, weil das eben eine Tradition ist. Ursprünglich war diese Handlung aber eine Art Gebet, in dem die Menschen um neue Augen, um „Osteraugen“ baten. Sie wollten besser sehen, besser ein-sehen können, was durch die Auferstehung Jesu anders geworden ist in ihrem Leben. Sie wollten Jesus besser „sehen“ können, der nicht mehr tot ist, sondern lebt - und durch seinen Geist mitten unter uns ist!

Günther Hampel


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