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07/2017

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist.

2. Mose 20,11

Wie lang war der erste Tag der Schöpfungswoche, wenn dieser nur aus einer Licht- und einer Dunkelphase bestand, die laut dem Schöpfungsbericht nicht von der Sonne bestimmt wurden? Erst am vierten Tag wurden „Lichter an die Feste des Himmels“ gesetzt, die Tag und Nacht bestimmen und die Jahreszeiten (1 Mo 1,14). Wer sich mit dem Schöpfungs-bericht befasst, dem kommen zahlreiche Fragen.

Das gilt allerdings auch für wissenschaftliche Erkenntnisse. Man braucht dazu nur über mehrere Jahre hinweg entsprechende Publikationen zu lesen. Das, was ich in der Schule vor Jahrzehnten als gesicherte Erkenntnis über die Entstehung des Lebens auf dieser Welt gelernt habe, ist inzwischen an vielen Stellen überholt. Einigen heutigen wissenschaftlichen „Wahrheiten“ wird es übermorgen nicht anders ergangen sein.
Es ist erstaunlich, mit welcher Sicherheit manche Menschen meinen, alles erklären zu können, und manche Christen der Überzeugung sind, Gott mithilfe der Bibel in die Karten schauen zu können.

In diesem Zusammenhang drängen sich einige grundsätzliche Fragen auf: Warum sollte Gott quasi in wörtlicher Rede von einer Schöpfung „in sechs Tagen“ sprechen (wie im eingangs zitierten Sabbatgebot), wenn es in Wirklichkeit ganz anders gewesen sein soll? Musste Gott den Menschen zur Zeit des Mose die Wahrheit über die Entstehung der belebten Welt in ein frommes Märchen packen? Wie würde es zum ethischen Anspruch Gottes passen, ein „falsches Zeugnis“ als Sünde zu deklarieren, wenn er sich selbst nicht an seine eigenen Regeln halten würde? Hätte er dann überhaupt eine Handhabe gegen mich, und könnte er mich wegen Unwahrheiten schuldig sprechen?

Es ist für mich kein Problem, Gottes Aussagen kindlich zu vertrauen. Das gehört zu meiner Gottesbeziehung genauso wie der Glaube an die Erlösung allein durch Jesus Christus. Wenn Gott sogar schriftlich mit eigener Hand (2 Mo 31,18) im vierten Gebot von einer Schöpfung „in sechs Tagen“ spricht, dann nehme ich das als offenbarte Wahrheit - und staune; denn begreifen kann ich es nicht. Ob ich an die Schöpfung Gottes glaube, ist für mich keine Frage der Bildung, sondern eine der Beziehung und des Vertrauens.

Heinz-Ewald Gattmann


© Advent-Verlag Lüneburg

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