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45/2016

[Jesus sagte:] „Wer meine Botschaft hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, der wird ewig leben. Ihn wird das Urteil Gottes nicht treffen, denn er hat die Grenze vom Tod zum Leben schon überschritten.“

Johannes 5,24 (Hoffnung für alle)

Als im September 2013 der hochgeschätzte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki starb, haben viele genau darauf geachtet, was er als Lebensweisheit der Nachwelt hinterlassen würde. Er hatte das gelegentlich in zwei Sätzen zusammengefasst: „Es geht immer um die Liebe und um den Tod. Alles andere ist Mumpitz.“ Konsequenterweise hatte er sich auch die Anwesenheit eines Geistlichen bei seiner Beisetzung ausdrücklich verbeten.

Schade für ihn und die Trauergäste! Denn vielleicht hätte ein beherzter Geistlicher den Mut gefunden, der trostlosen und pessimistischen Philosophie des „Literaturpapstes“ ein hoffnungsvolles Wort entgegenzusetzen. Denn wenn es um Liebe, um Leben und Tod geht, haben nicht Menschen das letzte Wort. Das bleibt immer einer höheren Instanz vorbehalten!

Es stimmt schon, dass es immer um die Liebe geht - aber nicht nur um die manchmal unbeständige und brüchige Liebe unter den Menschen, sondern um die beständige und verlässliche Liebe Gottes zu seiner Menschenwelt und jedem Einzelnen. Und Ziel und Absicht der Liebe Gottes ist nie der Tod, sondern das „Leben in ganzer Fülle“ und „das ewige Leben“ (Joh 10,10b.28a NLB). Deshalb hat er der Verfallenheit der Menschen an den Tod nicht tatenlos zugeschaut, sondern hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, den Herrn des Lebens, der den Tod besiegt hat und uns an seinem unendlichen Leben Anteil gibt.

So sagte er es der trauernden Martha, die den viel zu frühen Tod ihres Bruders Lazarus beklagte: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Ihre Gedanken richteten sich dabei auf eine ferne Zukunft: „Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage.“ Aber Jesus richtete ihren Blick auf die Gegenwart und seine Möglichkeiten: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,23-25)

Es ist gut, in diesen existenziellen Fragen eine tragfähige und kompetente Antwort zu bekommen. Denn Jesus hat mit der Auferweckung des Lazarus und seiner eigenen Auferstehung bewiesen, dass er „der Herr der Toten und der Lebenden“ ist (Röm 14,9b Hfa).

Johannes Fiedler


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