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39+40/2016

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst!

Philipper 2,3

Was ist Demut? Etwas für Schwächlinge? Wir wollen doch lieber oben stehen als unten. Dabei gibt es etwas in Gottes Schöpfung, das uns Demut lehrt: das Wasser. Wasser läuft immer zum niedrigsten Ort. Auch wenn es hoch oben in den Bergen entspringt, beeilt es sich, schnell wieder hinunterzukommen. Außerdem macht das Wasser gern Platz, es weicht aus, wenn wir ins Wasser steigen, sodass wir baden können. Wasser ist zunächst ganz durchsichtig und ohne Farbe. Wenn wir das Wasser trinken, dann schmeckt es normalerweise nach nichts. Allerdings ist gerade diese Reinheit des Wassers oft bedroht.

Andererseits hat sich bewegendes Wasser eine unbändige Kraft, die Deiche durchbrechen und Häuser zum Einsturz bringen kann. Wenn sich das Wasser mit der Kraft des unsichtbaren Windes verbindet, kann es ganze Inseln überfluten. In wohldosierten Mengen können wir die Wasserkraft nutzen, um das Wasser in unsere Häuser zu lenken oder um an anderer Stelle Strom zu erzeugen. Ja, das Wasser ist demütig, doch weil wir es gebrauchen, heißt das noch lange nicht, dass es harmlos ist.

So ist das mit der Demut. Demut ist nicht Schwäche, sondern eine große Kraft. Es geht hier nicht um geheuchelte Demut, die fromm daherkommt, demütig tut, aber wehe, wenn ein anderer diese Heuchelei durchschaut. Solche geheuchelte Demut schlägt dann leicht in Ärger oder das Beleidigtsein um. Jesus hat uns rechte Demut vorgemacht. Er, der Gott und Herr, wurde ein Mensch wie wir. Als sich seine Jünger stritten, wer ganz oben stehen müsste, beugte er sich herunter und wusch ihnen die staubigen Füße. Andererseits hat er gleichzeitig darauf bestanden, dass er der Herr und Meister ist (Joh 13,13).

Demut hat nichts mit Demütigung oder Kränkung zu tun. Wer demütig ist, ist sich sehr wohl seiner Würde bewusst und lässt sie sich von niemandem nehmen. Nur kurze Zeit später wehrte sich Jesus dagegen, dass ihn Menschen unwürdig behandelten, und forderte eine faire Behandlung (siehe Joh 18,23).
Demut ist also weder überheblich noch unterwürfig. Diese gute Balance hinzubekommen fällt mir nicht leicht, aber ich brauche sie. Dazu bitte ich heute Jesus um Beistand.

Matthias Gansewendt

© Advent-Verlag Lüneburg

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