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27/2016

[Paulus schrieb:] „Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde aufrufe, ist das Gebet, und zwar für alle Menschen. Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für sie alle vor Gott!“

1. Timotheus 2,1 (Gute Nachricht Bibel)

Das Gebet ist eine Macht. Wir Christen zweifeln nicht daran, dass wir die Wunder unseres Lebens ganz wesentlich der Fürbitte von Menschen zu verdanken haben. Was meinte Paulus mit seiner Aufforderung, für alle Menschen zu beten? Immerhin wären das heute über sieben Milliarden Personen. Geht denn das? Ich denke vielmehr, Paulus meinte in erster Linie das zusammenfassende Gebet für Menschen, die noch weit weg vom Glauben sind.

Als ich junger Pastor war, damals noch unter dem kommunistischen Regime, gab mir ein erfahrener Kollege für den (unvermeidlichen) Umgang mit Funktionären den Rat: „Sieh in jedem von ihnen in erster Linie den Menschen!“ Im Allgemeinen ist das bei uns umgekehrt. In solchen, deren Kontakt wir eher meiden, sehen wir in erster Linie den „Funktionär“: also den Vermieter, den Händler, den Polizisten, den Sektierer usw. Für sie beten? Fürbitte muss nicht Ausdruck einer Freundschaft sein. Fürbitte kommt aus der nüchternen Erkenntnis, dass ich im Grunde nicht besser bin als andere. Denn meine Vorzüge - wenn es sie denn gibt - sind doch nur Gnadengaben, unverdiente Geschenke Gottes. „Sieh in jedem von ihnen in erster Linie den Menschen!“ - den, der Gott braucht, wie ich ihn brauche.

Jeder von uns hat seine Geschichte. Da sind die Vorfahren, da sind Begegnungen, unerklärliche Wendungen, Bewahrungen, auch manches Rätselhafte. Wo sind meine „Verdienste“? Je älter man ist, wenn man auf die Lebenslandschaft zurückblickt, umso kleiner erscheint einem die eigene Leistung, der eigene Lebensbeitrag.

Was wissen wir von den Hintergründen der Geschichte - der großen wie auch meiner kleinen, persönlichen? Was wissen wir von den Gebeten, die für uns gesprochen wurden? Meist erwarten wir den raschen, sichtbaren Erfolg unserer Fürbitte und sind enttäuscht, wenn dieser ausbleibt. Wir wollen darauf vertrauen, dass Gott uns immer hört, für sein Eingreifen aber den rechten Weg und den rechten Augenblick wählt. Das Gebet „für alle Menschen“ ist daher niemals umsonst!

Dieter Leutert

© Advent-Verlag Lüneburg

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