You are here: Andacht der Woche
Return to: Home
General:

26/2016

[Paulus schrieb:] „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“

Philipper 4,4 (Elberfelder Bibel
)

Das ist leicht gesagt, wenn man morgens schwer aus dem Bett kommt und den Weg zur Arbeit oder zum Studium antreten muss, eine Examensprüfung vor sich hat oder wenn man einfach nur schlecht geschlafen hat. Sicherlich wird so manchem beim Lesen dieser Zeilen noch Schlimmeres einfallen, was einem heute die Freude rauben kann oder sie gar nicht erst aufkommen lässt. Die Realität des Alltags ist doch oftmals recht freudlos. Und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann regnet oder schneit es auch noch dazu.

Wie komme ich aus dieser Stimmung heraus? Laut Paulus soll ich mich also „freuen“. Das klingt doch irgendwie ein wenig aufgesetzt - aufgesetzt auf meinen Glauben an Jesus, so als müsste das alles nun funktionieren. Aber es funktioniert nicht.

Wenn Paulus diese Aussage so an die Gemeindeglieder in Philippi schrieb und fast wie eine Forderung klingen ließ, dann bedeutet das doch, dass es irgendwie trotz meiner Stimmung auch heute Morgen stimmen muss. Es ist doch schließlich Gottes Wort, oder? Und wie hat Paulus das gemacht, sich zu freuen, als er im Gefängnis saß (vgl. Phil 1,13-14), als er verfolgt und geschmäht wurde?

Die Antwort ist einfach: Auch wir Christen müssen die Schwierigkeiten und Nöte des Alltags annehmen, weil sie zu unserem irdischen Dasein gehören und weil sie unausweichlich sind. Die Freude, die in uns aufkommen kann und soll, wird dem geschenkt, der „Ja“ sagt zu diesem Leben, paradoxerweise eben auch zu dem Ungemach, es annimmt als das, was Jesus auch auf Erden erlebt hat - das er bekämpfen musste und das er auch für uns überwunden hat (Joh 16,33b).

In diesem Bewusstsein zu leben und zu handeln bedeutet doch, dass ich aus der Lust zur Freude den „Kampf“ in der Arbeit aufnehme, die Examensprüfung anpacke, weil ich sie bestehen will, und weil es Freude macht, der Unfreude zu widerstehen und sie zu überwältigen. Weil ich diese Freude will und sie mir durch Paulus „im Herrn“ verheißen ist (dort ist sie zu finden, nicht in mir oder meiner Umwelt), kann der Heilige Geist in mir diese Freude bewirken (vgl. Gal 5,22a). Sie gibt mir heute die Kraft, das Leben so anzunehmen, weil ich es mit der Freude „im Herrn“ Jesus selbst bestimmen kann.

Udo Worschech


© Advent-Verlag Lüneburg

Go to: 35-37/2016 25/2016