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04/2016

Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse sein Angesicht leuchten über uns, dass man auf der Erde erkenne deinen Weg, unter allen Nationen deine Hilfe!

Psalm 67,2-3 (Elberfelder Bibel)

Um Gottes Segen zu bitten hat nichts mit Egoismus zu tun. So sieht es zumindest der Psalmschreiber. Aber wie sieht das praktisch aus?

Wenn ich meine Bitten um Segen betrachte, merke ich, dass ich oft nur mich und meine Mitmenschen im Blick habe. Ich bitte darum, dass ich gesegnet werde oder sich bestimmte Dinge in meinem Leben recht fügen: Ich bitte zwar auch darum, dass Menschen, die mir am Herzen liegen, von Gott gesegnet werden, aber selten denke ich an Gott und dessen Ehre.

Der Psalmschreiber tat es; er betete: „Gott, segne uns ... dass man auf der Erde erkenne deinen Weg.“ Anders formuliert könnte die Bitte auch lauten: „Gott, segne mich so, dass andere dich sehen und erkennen. Segne mich zu deiner Ehre.“

„Segne mich“, bitte ich oft, aber „zu deiner Ehre“ sage ich im Vergleich dazu eher selten. Aber die Bitte des Autors dieses Psalms sagt genau das; sie ist deswegen so außergewöhnlich. Er sprach ein Gebet, in dem er für Gott bittet.

Angenommen, jede Bitte in meinen Gebeten würde sich erfüllen, was würde dann passieren? Vermutlich würden sämtliche gesundheitlichen Probleme verschwinden, alle Beziehungen heilen; ich hätte Kraft ohne Ende, und meine Gemeinde wäre endlich zum Platzen voll. Es wäre der Himmel auf Erden. Aber wie oft hätte tatsächlich Gott etwas von meinen Gebeten? Und wie oft würde er leer ausgehen?

Die erste Bitte im Vaterunser lautet: „Dein Name werde geheiligt.“ (Mt 6,9b) Jesus setzte bei seinem Mustergebet bewusst den Fokus auf Gott. Um ihn soll es in unseren Gebeten gehen. Das Vaterunser enthält zwar auch Bitten für unsere persönlichen Bedürfnisse, aber zuallererst geht es bei diesem Gebet um Gott, seine Ehre, seinen Namen, sein Reich, seinen Willen.

„Segne mich zu deiner Ehre!“ Es ist eine Herausforderung, so zu beten. Wer so betet, der betet nicht nur, weil er irgendetwas haben oder loswerden will. Wer so betet, der denkt zuerst an Gott und will für ihn leben und sich von ihm gebrauchen lassen.
Herr, segne mich zu deiner Ehre, dass man auf der Erde erkenne deinen Weg.

Stephanie Kelm


© Advent-Verlag Lüneburg

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