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03/2016

Lasst uns jede Gelegenheit nutzen, allen Menschen Gutes zu tun, besonders aber unseren Brüdern und Schwestern im Glauben.

Galater 6,10 (Neues Leben Bibel)

Eigentlich war sie meine Großtante, die Schwester meiner Oma. Aber ich nannte sie schon immer „Tante“. Tante Olga wohnte ein paar Häuser weiter in unserer Straße, sie, ihr Mann und ihre Familie. Alle gehörten der Adventgemeinde an.

Ich selbst bin evangelisch-lutherisch aufgewachsen. Als Baby wurde ich getauft und mit 13 konfirmiert. Die Konfirmation war üblich in unserem Dorf; alle meine Freunde und Schulkameraden ließen sich konfirmieren. Allerdings glaubte ich nicht wirklich an Gott - es war halt eine Tradition bei uns.
Kurze Zeit später starb ganz plötzlich mein Opa. Ich kam ins Grübeln und begann, verbunden mit anderen Ereignissen, über das Leben und Gott nachzudenken.

Irgendwie kam es, dass mich Tante Olga für freitagabends zu sich nach Hause einlud. Die Abende erlebte ich als sehr schön. Wir redeten, aßen und lachten. Tante Olga hatte einen trockenen Humor. Natürlich lasen wir auch in der Bibel, und ich konnte meine Fragen über den Tod, Gott und das Leben anbringen.

Die Atmosphäre bei Tante Olga war super. Ich habe mich wohl- und angenommen gefühlt. Sie hat meine Bedürfnisse liebevoll aufgenommen. Sie hat mich ermutigt, in die Gemeinde zum Gottesdienst zu gehen. Ich konnte mit ihrem Mann und ihrer Familie mitfahren, jeden Sabbat.
Im Nachhinein kann ich sagen: Sie war die wesentliche Ursache, dass ich mich entschieden habe, den Schritt in die Gemeinde zu wagen. Sie war die Initialzündung. Sie war entscheidend dafür, dass mein Glaube begonnen hat zu wachsen. Sie hat das erfüllt, wozu der Apostel Paulus die Christen ermutigt hat: Gutes zu tun. Tante Olga hat an mir Gutes getan. Dafür danke ich ihr.

Sie hatte nicht viel Schulbildung, aber viel Mitgefühl und Liebe. Einige ihrer Nachbarn sind zu ihr gekommen, weil sie niemanden hatten, mit denen sie ihre Probleme besprechen konnten. Tante Olga hat zugehört und geholfen. Sie war für ihre Nachbarn da.
Ich bin froh und dankbar, dass es solche Menschen wie Tante Olga gibt. Und ich würde auch gern so ein Mensch für andere sein.

Roland Nickel


© Advent-Verlag Lüneburg

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