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51/2015

[Der Sohn Gottes] nahm menschliche Gestalt an und wurde wie jeder andere Mensch geboren. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.

Philipper 2,7b-8 (Hoffnung für alle)

Die CD Weihnachtsfreude (aus der Reihe „Feiern und Loben“, Hänssler Verlag) enthält auch ein Lied von Jochen Klepper, das ich mir jedes Jahr zur Adventszeit mehrmals anhöre, weil sich der Text deutlich von den gängigen und manchmal „süßlich“ gefärbten Weihnachtsliedern abhebt. Von den insgesamt fünf Strophen dieses Liedes hier zunächst die ersten drei:

Du Kind, zu dieser heil'gen Zeit gedenken wir auch an dein Leid, das wir zu dieser späten Nacht durch unsre Schuld auf dich gebracht. Kyrie eleison!
Die Welt ist heut voll Freudenhall. Du aber liegst im armen Stall. Dein Urteilsspruch ist längst gefällt, das Kreuz ist dir schon aufgestellt. Kyrie eleison!
Die Welt liegt heut im Freudenlicht, dein aber harret das Gericht. Dein Elend wendet keiner ab. Vor deiner Krippe gähnt das Grab. Kyrie eleison!

Zugegeben, wer das zum ersten Mal liest oder sich anhört, fühlt sich vielleicht in seiner gewohnten Weihnachtsidylle gestört; es wirkt zunächst befremdlich. Aber genau das ist es, was mich an diesem Text so fasziniert, weil Jochen Klepper hier den engen Zusammenhang zwischen Bethlehem und Golgatha aufzeigt. Mit den Begriffen „Leid“, „Schuld“, „Urteilsspruch“, „Kreuz“, „Gericht“, „Elend“ und „Grab“ will der Dichter betonen, dass die Passion von Jesus bereits mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes begann und nicht erst in Jerusalem drei Jahrzehnte später (vgl. Phil 2,6-8). „Das ,auch' in der 1. Strophe hat eine entscheidende Aufgabe: die heilige Zeit, die voll Freudenhall ist, zu verbinden mit dem Leid, das in der heiligen Nacht beginnt. Mit dem Gedenken auch an das Leid wird aus Weihnachtsstimmung Weihnachtswahrheit“, erläutert Armin Jetter.

In der letzten Strophe seines Liedes geht Jochen Klepper noch einen - wichtigen! - Schritt weiter, indem er das Geschehen vom Karfreitag mit der Osterbotschaft (Auferstehung) verknüpft:

Wenn wir mit dir einst aufersteh'n
und dich von Angesichte sehn,
dann erst ist ohne Bitterkeit
das Herz uns zum Gesange weit. Hosianna!

Feiern wir dankbar Weihnachten - mit dem freudigen Ausblick auf den wiederkommenden Herrn!

Jürgen Schammer


© Advent-Verlag Lüneburg

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