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41/2015

Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören. Gottes Geist will euch durch und durch erneuern.

Epheser 4,22-23 (Hoffnung für alle)

Wenn ich im Auto zwischen Flensburg und Freiburg unterwegs bin, tingelt gewöhnlich im Hintergrund ein Verkehrsfunksender. Manchmal höre ich genauer hin, was Musiker da produziert haben. Marienlieder und „Die Glocken von Rom“ im eher protestantisch säkularen Niedersachsen sind schon ungewöhnlich; doch „Es lebe das Laster“ von Udo Jürgens im pietistischen Baden-Württemberg, das passt doch eigentlich nicht zusammen!

„Er hat nie geraucht, ging nie einen heben ... Er ging nie zum Aufriss in heiße Lokale ... Er hat das Finanzamt niemals beschummelt ... „ Dann der Schlusssatz: „Er tut mir so leid, denn nun ist er tot.“ Und schließlich der Refrain: „Es lebe das Laster, denn wer brav ist, wird nirgendwo vermisst.“ Eine provozierende Botschaft, in flottem Rhythmus verpackt: Wer gesund lebt, treu und ehrlich sein möchte, der ist innerlich vertrocknet und geht am Leben vorbei. Freunde wird er wohl kaum finden; man kann ihn nur bedauern. „Es lebe das Laster!“

Irgendetwas sträubt sich in mir. Wer ist denn der Bedauernswerte? Der das Leben in vollen Zügen genießt und dabei auch noch über die Stränge schlägt? Oder derjenige, der sich von seinem alten Leben verabschiedet hat, wie es der Apostel Paulus an die Christen in der Provinz Asia schrieb?

Wer das „Laster“ nicht kennt, weil er behütet aufgewachsen ist, mag vielleicht meinen, er habe etwas versäumt. Doch wer durch Gottes Geist eine neue Gesinnung erhalten hat, sieht die Spaßangebote unserer Gesellschaft mit anderen Augen. Sie können ihn nicht mehr faszinieren und verzaubern. Er schaut hinter die grell beleuchtete Fassade von „action and fun“, von Spiel und Spaß. Er sieht auch die vom Leben enttäuschten Menschen, die keine Hoffnung haben, und sie tun ihm von Herzen leid.

Wer erlebt hat, dass wahres Glück und innerer Frieden allein von Gott geschenkt werden, der lebt kein Leben des zwanghaften Verzichts. Er ist kein vertrockneter, ausgedörrter Asket. Sein Alltag wird vielmehr von der Liebe Gottes bestimmt, von Freude und Geborgenheit, und von der Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. Dort wird es Freude und Vergnügen ohne Nachgeschmack geben.

Siegfried Wittwer


© Advent-Verlag Lüneburg

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