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38/2015

Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und begraben. Und genauso wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen.

Römer 6,4 (Neues Leben Bibel)

Als ich vor einigen Jahrzehnten als Jugendlicher getauft wurde, legte ich das Bekenntnis ab, zu Jesus Christus zu gehören und seinem Wort folgen zu wollen. Heute weiß ich, dass ich es damals zwar im guten Glauben getan habe, aber ohne so richtig zu verstehen, was das Evangelium wirklich bedeutet.

In den nachfolgenden Jahren durchlebte ich manche Krise – u. a. auch Selbstvorwürfe wegen meines Versagens. Ich gab mir Mühe, nicht zu sündigen, dennoch passierte es immer wieder. Ich habe zum Herrn gebetet, mich doch von bestimmten Sünden zu befreien; aber es passierte zunächst nichts.

Heute weiß ich, dass mein Kampf gegen die Sünde mit Niederlagen enden musste, denn nicht der Kampf gegen die Sünde ist uns verordnet, sondern der „gute Kampf des Glaubens“ (1 Tim 6,12a)! Den Kampf gegen die Sünde hat Jesus für uns gekämpft, und er hat gesiegt. Diesen Sieg kann ich für mich in Anspruch nehmen. Entscheidend ist nicht die Taufhandlung, sondern die neue Gesinnung, das neue Denken und Wollen. Die Taufe ist das äußere Zeugnis dafür – wie der Ehering an meinem Finger; er weist darauf hin, dass ich verheiratet bin. Ob ich aber meiner Frau treu bin, kann man nicht an dem Ring ablesen. Die Taufe ist eine Folge meiner Bindung an Jesus Christus.

Die Taufe symbolisiert, dass „unser alter Mensch“ mit Christus „gekreuzigt“ und „begraben“ wurde (Röm 6,6a.4a). „Auferstanden“ ist ein neuer, geistlich gesinnter Mensch, der in einem „neuen Leben“ als „Gerechter“ wandelt (Röm 5,19b). Hier entsteht eine Spannung, denn gerechtfertigt zu sein heißt, nicht mehr verklagt zu werden; aber ich stelle fest, dass ich immer noch sündige, obwohl ich das nicht will.

Ich habe bei Paulus entdeckt, dass er unterscheidet zwischen dem Sündersein (dem Zustand) und dem Sündigen (dem Tun). Ein Vergleich hat mir geholfen. Als 1945 für die KZ-Häftlinge die Tore zur Freiheit geöffnet wurden, waren sie wirklich frei, aber ihre äußere Erscheinung ließ das noch nicht erkennen.

Mit der Rechtfertigung durch den Glauben setzt die Heiligung ein. Unser Wesen wird durch den Heiligen Geist in das Wesen von Jesus allmählich umgewandelt. Das können wir jeden Tag neu erleben.

Egon Schramm


© Advent-Verlag Lüneburg

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