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37/2015

Jeder Mensch sei schnell zum Hören.

Jakobus 1,19b

Die Fähigkeit zu hören ist eine unserer fünf Sinne. Gut zu hören ist durchaus nicht selbstverständlich. Wer stark schwerhörig ist oder gar taub geboren wurde, erlebt mancherlei Einschränkungen in der Bewältigung des Alltags. Deshalb ist ein gesundes Gehör auch immer wieder Anlass, Gott dafür zu danken.

Doch der biologische Aspekt dieses wunderbaren Sinnesorgans stand Jakobus nicht vor Augen, als er die obige Aussage in seinem Brief niederschrieb. Vielmehr dachte er an einen Mangel, der nicht unser Hörvermögen, sondern die Hörbereitschaft betrifft. Sein Aufruf zum schnellen Hören deckt sich mit den vielfachen Apellen in den Evangelien und der Offenbarung: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Z. B. in Mk 4,9.23; Offb 2/3.)

Damit wird deutlich gemacht, dass ein gutes Hörvermögen nicht automatisch zum rechten Hören, Hinhören und Zuhören führt. Das ist eben keine Angelegenheit von Trommelfell, Hammer, Amboss und Steigbügel, sondern des Herzens, des inneren Menschen. Weil „Ohrensünden“ in der Regel kaum bemerkt und deshalb nicht so recht ernst genommen werden, war es Jakobus wichtig, dies anzusprechen. Wie oft hören wir weg, wo wir eigentlich „ganz Ohr“ sein sollten, oder hören mit „gespitzten Ohren“ hin, wenn es besser wäre, sich abzuwenden. Auch in diesem Bereich sollten wir Korrekturbereitschaft zeigen und um Weisheit und Mut bitten – für anteilnehmendes Zuhören, wenn Menschen sich uns anvertrauen möchten und bewusstes Weghören, wenn üble Nachrede oder Witze unter der Gürtellinie über das „Einfallstor“ Ohr in unser Inneres gelangen wollen.

Aber nicht nur für das menschliche Miteinander und Füreinander benötigen wir eine intakte „Empfangsstation“, sondern gespannte Hörbereitschaft ist erst recht wichtig, wenn Gott mit uns reden möchte. Hierbei wären – im übertragenen Sinne – Schwerhörigkeit oder Taubheit fatal. Diese notwendige Sehnsucht und Aufgeschlossenheit für Gottes rettendes und zurechtbringendes Wort hat der Apostel Petrus mit einem anderen Bild so umschrieben: „Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein.“ (1 Ptr 2,2)

Mit dieser inneren Einstellung wird das tägliche Lesen der Bibel nicht zur lästigen Pflichtübung, sondern zur unverzichtbaren Kraftquelle. Gewiss wird das „schnell zum Hören“-Sein dann seine lebensverändernden Auswirkungen nicht verfehlen.

Jürgen Schammer


© Advent-Verlag Lüneburg

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