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35/2015

Darum setzt allen Eifer daran, mit eurem Glauben die Tugend zu verbinden, mit der Tugend die Erkenntnis, mit der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer, mit der Ausdauer die Frömmigkeit, mit der Frömmigkeit die Brüderlichkeit und mit der Brüderlichkeit die Liebe.

2. Petrus 1,5-7 (Einheitsübersetzung)

Obwohl wir laut Petrus alles, was „zum Leben und zur Frömmigkeit“ notwendig ist, geschenkt erhalten (V. 3a) und wir durch die Verheißungen Gottes bereits „Anteil an der göttlichen Natur“ bekommen haben (V. 4b), werden wir aufgefordert, Eifer oder Fleiß (V. 5a EB) aufzuwenden. Damit wird eindeutig gegen eine falsche Theologie angegangen, die meint, mit den Händen im Schoß – wenn auch mit betenden – sei es schon getan. Nein, Gottes Gnade lässt nicht behäbig werden! Das widerspricht nicht den bereits empfangenen Gnadengaben, sondern ergibt sich aus ihnen.
In Gottes „Stufenplan“ mit uns, den Petrus beschrieb, geht es zuerst um den Glauben – nicht um irgendeinen selbst erdachten, sondern um das Vertrauen auf Jesus Christus als Erlöser. Daraus entspringt die „Tugend“, ein Wort, das heute meist nur noch abschätzig mit dem Begriff „Tugendbold“ in Verbindung gebracht wird. Biblisch ist aber damit „Wohlverhalten“ oder „sittliche Bewährung“ (GNB) gemeint. Christus befreit den Gläubigen zuerst von sündigen Gewohnheiten (vgl. Joh 8,34.36).

Die nächste Stufe ist die genauere „Erkenntnis“ Gottes und seines Willens (vgl. Röm 12,2b). Daran schließt sich „Selbstbeherrschung“ an, von Luther mit „Mäßigkeit“ wiedergegeben. Ausschweifung ist ein Kennzeichen des alten Lebens, „Enthaltsamkeit“ (EB) von schädlichen Dingen und sexuellen Eskapaden ein Zeichen des neuen Lebens mit Christus.

Weiter geht es mit der Ausdauer, oft von Luther fälschlich mit „Geduld“ wiedergegeben. Es geht um „Standhaftigkeit“ (GNB), „Ausharren“ (EB) in Bedrängnis und Verfolgung. Dann folgt die „Frömmigkeit“, die Verwirklichung der „Gottesfurcht“, der „Liebe zu Gott“ (Hfa), die sich in einem „Leben zur Ehre Gottes“ zeigt (NLB). Als nächster Schritt ist die „Brüderlichkeit“, die Bruderliebe genannt (griech. Philadelphia). Die zuletzt angeführte Stufe ist die Liebe (griech. Agape); wenn Luther mit „Liebe zu allen Menschen“ übersetzte, trifft er durchaus das Gemeinte, nämlich die selbstlose, dienende Liebe, die alle durch uns erfahren sollen. Dies ist die Stufenleiter geistlichen Wachstums.

Josef Butscher


© Advent-Verlag Lüneburg

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