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34/2015

Darum sollt ihr so beten: „Unser Vater im Himmel!“

Matthäus 6,9a

„Wie geht's dir, Gott?“ Mit dieser ungewöhnlichen Frage hat ein Christ unserer Zeit auf die oftmalige Einbahnstraße unseres Betens hingewiesen.

Wer mit Gott eine echte Beziehung wünscht, kann nicht bei formalem Beten stehenbleiben. Wir sollen und dürfen mit Gott ganz natürlich sprechen wie mit einem guten Vater oder Freund.

Vermutlich hat Jesus das gemeint, als er seine Jünger lehrte, zu Gott als ihrem „Vater im Himmel“ zu beten. Und ich bin überzeugt, dass Gott sich durch unser kindliches Vertrauen ihm gegenüber mehr geehrt fühlt als durch „schöne“ Worte im Gebet.

Oft läuft unser Beten zu profan ab. Unser Vater im Himmel ist zwar sicher nicht davon abhängig, wie höflich oder respektvoll wir mit ihm reden. Er kennt ohnehin unser Herz und weiß, wie wir es meinen. Aber wir sollten dennoch so „anständig“ und respektvoll mit ihm umgehen, wie wir es mit einem guten Freund tun. Je nach Tagesform wollen wir rasch unsere Probleme loswerden nach dem Motto: „Schau doch, Herr, was hier schon wieder schiefläuft.“ Das dürfen wir durchaus, denn Petrus lädt uns ein: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1 Ptr 5,7 GNB) Aber das Zwiegespräch mit ihm soll sich nicht in einem bloßen „Lieber Gott, mach dies lieber Gott tu jenes.“ erschöpfen. Bei Sorgen um den Partner, die Kinder oder andere Menschen, beim Alltagsstress oder in schlaflosen Nachtstunden ist ja unsere Wunschliste oft lang.

Da wäre es hilfreich, zuerst zu fragen: „Wie geht's dir, Gott?“ Oder besser: „Wie bist du, Gott?“ Wenn wir uns Gottes liebevolles und gütiges Wesen bewusstmachen, seine große Macht und seinen unbändigen Willen, uns zu erlösen, dann wird Gott groß vor unserem inneren Auge und wir werden dazu motiviert, ihn zu loben und zu preisen und ihm für seine Erlösungstaten zu danken. Auch unser Verständnis für sein vermutliches Empfinden würde wachsen, vielleicht auch für seine Prioritäten und sein Timing – besonders im Hinblick auf unsere Probleme und Sorgen.

Wenn ich mich zudem auch frage, wie es Gott mit mir geht, bleibt mein Gebet keine leere Rede. Da lerne ich besser begreifen, wie er mich sieht und was er mit mir vorhat – und finde sogar eine stärkere Beziehung zu seinem Wort in der Heiligen Schrift. So wird mein Kontakt zu Gott dann in gewisser Weise zu einem Geben und Nehmen.

Albrecht Höschele


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