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33/2015

Aber die Schlange war listiger ... und sprach zu der Frau: „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“

1. Mose 3,1

„Was stimmt denn nun? Was darf ich, und was darf ich nicht?“ – Eine Frage, die uns immer wieder begegnet. Mehrfach stand ich vor einer Gruppe von Kindern oder Jugendlichen am Beginn einer Freizeit. Zum Standardprogramm der ersten Ansprache gehörte immer der sogenannte Verbotskatalog: Was ist alles nicht gestattet? Das war mit das Erste, das die Kinder zu hören bekamen. Toll fand ich das nicht.

Kennst du eine Hausordnung, in der die ersten zehn Punkte davon sprechen, was alles erlaubt ist?

In jedem Bereich unseres Lebens finden wir den Ansatz von Regeln und Gesetzen. Nun mag man einwenden: „Das ist ja auch gut so. Wie soll denn sonst das Leben funktionieren?“ Das ist vollkommen richtig, und als Paradesbeispiel dafür können die Zehn Gebote zitiert werden, die Gott persönlich als eine Art „Magna Charta“ des Zusammenlebens geschrieben und uns durch Mose übergeben hat (vgl. 2 Mo 31,13). Wir dürfen aber nicht den ursprünglichen Ansatz des gemeinschaftlichen Lebens aus den Augen verlieren, den Gott für uns vorgesehen hat: „Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen ...“ (1 Mo 2,16-17) Gott sieht für unser Leben immer die Möglichkeiten, er sieht immer mehr Chancen und Wege als wir. Begrenzung und Einengung sind nicht sein Ding. Das ganze Paradies stand den ersten Menschen offen. Es waren Kreativität und Phantasie angesagt, damit verantwortungsvoll umzugehen. Gott ist ein Gott der neuen Horizonte und Perspektiven und nicht ein verklemmter Spielverderber.
„Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen.“ -davon war nie die Rede gewesen. Die Schlange verspritzte ihr Gift mit der Lüge eines entstellten Gottesbildes. Wie viele Menschen verbinden mit Gott und Kirche nur Verbote und Unterordnung?

Wir dürfen heute und an jedem neuen Tag anderen Menschen einen fürsorglichen Gott verkünden, einen Liebhaber der Freiheit und Kreativität. Wichtig ist, dass wir davon selbst überzeugt sind. Wichtig ist auch, dass wir in seinen Geboten die positiven Prinzipien erkennen wie auch die Grenzen, jenseits derer unsere Freiheit und Integrität gefährdet sind. Gott weiß am besten, was für uns gut ist, damit das Miteinander gut funktioniert.

Johannes Naether


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