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18/2015

Ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.

Hebräer 8,12b

Die Datenspionage durch US-amerikanische und britische Geheimdienste hat viele Internetnutzer verunsichert. Viele geben an, ihr Verhalten bei der Nutzung von sozialen Netzwerken (wie Facebook, Twitter und Skype) und anderen Onlinediensten ändern zu wollen. Außerdem wird vielen zunehmend klarer, was der Satz „Das Internet vergisst nichts“ bedeutet: Längst gelöschte Einträge können sogar nach Jahren wieder ans Tageslicht befördert werden. Die riesigen Internetarchive kennen die „Gnade des Vergessens“ nicht. (Für Nicht-Internetnutzer: Der Versuch, im weltweiten Netz einmal Veröffentlichtes zurückzuholen, gleicht dem Versuch, die Bettfedern wieder einzusammeln, die jemand vom Kirchturm ausgeschüttet hat und die in alle Winde verstreut sind.)

Wie ist das nun mit Gott? Kann er vergessen? Sein Gedächtnis ist viel größer und präziser als alle Großrechner der Welt zusammen. Wie können wir darauf vertrauen, dass er unserer Sünden nicht mehr gedenken wird? Aus einem einfachen Grund: Gott sagt nicht, er werde unsere Sünden vergessen, die er uns vergeben hat, sondern er will unserer Sünden „nicht mehr gedenken“. Nicht mehr daran zu denken ist ein bewusster Willensakt! Gott will nicht mehr und er wird nicht mehr die Sünden in Erinnerung rufen, weil er sie uns vergeben hat!

Es beeindruckt mich immer wieder sehr, wie Gott über König David dachte: „Du [Jerobeam] bist nicht gewesen wie mein Knecht David, der meine Gebote hielt und mir von ganzem Herzen nachwandelte, dass er nur tat, was mir wohlgefiel.“ (1 Kön 14,8b) Welch wohlwollende, positive Beurteilung! Kein Wort über Davids Ehebruch und Mord! Warum nicht? Weil Gott vergesslich ist? Nein: Weil Gottes Vergebung radikal ist, das heißt: tiefgreifend und vollkommen!

Wenn Gott uns die Sünden vergibt, vollbringt er eines der größten Wunder, die es gibt. Es bleibt aber nicht dabei, sondern weitere Wunder folgen: Er hilft uns, keinen Gefallen mehr an dem zu haben, was uns von ihm trennt. Wir lernen also, die Sünde zu hassen – weil wir ihn immer mehr lieben. Und er verändert unser Denken und Fühlen so, als wäre sein Gesetz in unser Herz „geschrieben“ (vgl. Hbr 8,10).

Du darfst den heutigen Tag voller Dankbarkeit dafür erleben, dass Gott dich dank der Vergebung durch das Blut seines Sohnes Jesus Christus so sieht, als hättest du nie zuvor gesündigt. Unfassbar!

Elí Diez-Prida


© Advent-Verlag Lüneburg

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