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43/2006

Josef wurde hinab nach Ägypten geführt, und Potifar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Oberster der Leibwache, kaufte ihn von den Ismaelitern, die ihn hinabgebracht hatten.

1.Mose 39, l

Keine schöne Geschichte, wenn man bedenkt, was Josef jetzt alles hinter sich lassen musste. Nicht einmal von seinem geliebten Vater durfte er sich verabschieden. Einfach fort und weg, und sein Vater erfährt noch nicht einmal die Wahrheit über sein Verschwinden.

Josef hatte allen Grund zur Trauer. Erwuchs in einem behüteten Elternhaus auf, war als jüngster Sohn von sei­nem Vater stets verwöhnt worden - und wird nun mit der harten Wirklichkeit der Unterdrückung durch ein fremdes Volk konfrontiert.

Jeder von uns hat bestimmt schon einmal etwas Wertvolles unwiederbringlich verloren. Da helfen kein Ersatz und oft kein Trost.

Was macht einen Verlust überhaupt so schmerzvoll? Oft weiß man vieles, solange man es noch besitzt, nicht zu schätzen, und erst, wenn man es nicht mehr hat, erkennt man seinen Wert. Vor lauter Kummer wird häufig das Verlorene dann übertrieben idealisiert, was letztendlich auch nicht über den Verlust hinweghilft.

Josef hatte die Gewissheit, dass Gott mit ihm ist, bleibt ihm auch in dem fremden Land treu, denn er weiß, dass Gott ihm nur so viel zumutet, wie er auch ertragen kann. Jetzt, in der ägyptischen Sklaverei, war Josef mit Sicherheit für seine christliche Erziehung sehr dankbar, die ihm die Trauer über den Verlust der Heimat und geliebter Menschen erträglich macht.

Auch ich habe etwas sehr Wertvolles, Existenzielles verloren: meine Gesundheit. Vor Jahren war ich in der Schule der Beste in Leichtathletik, und heute sitze ich ich im Rollstuhl und bin in vielem auf fremde Hilfe angewiesen. Dennoch hat Gott mich mit so vielen neuen Gabe beschenkt, dass ich nicht traurig und niedergeschlagen an vergangene Zeiten denke, sondern zuversichtlich bin, dass Gott auch weiterhin gut für mich sorgen wird.

Wir kommen mit einem Verlust besser zurecht, wer wir ihn nicht unablässig betrauern und in Schmerz und Kummer versinken. Mit Gottes Hilfe sollten wir auf wieder mutig und zuversichtlich in die Zukunft blicke dankbar für das Erlebte sein und wissen, dass jeder Verlust auch wieder ein Gewinn sein kann.

(Thorsten Kraus)

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