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39/2006

Achte deinen Vater und deine Mutter, du verdankst ihnen das Leben! Hör auch dann noch auf sie, wenn sie alt geworden sind.

Sprüche 23,22 (Gute Nachricht Bibel)

In einer Geschichte heißt es: Ein Mann in Bagdad kaufte jeden Morgen fünf Fladenbrote. Eines Tages fragte ihn der Bäcker, warum er immer fünf Brote kaufe. „Eins esse ich, zwei gebe ich zurück und zwei leihe ich aus", antwortete der Mann. „Wem gibst du zurück, wem leihst du aus?", wollte der Verkäufer wissen. „Meinen Eltern gebe ich zurück, meinen Kindern leihe ich." „Wieso deinen Kindern?", fragte der Bäcker erstaunt. „Damit sie mir später, wenn sie erwachsen sind und ich alt bin, die Brote mit dankbarem Herzen zurückgeben."

Von unserem Gesetz her sind Eltern zur Fürsorge verpflichtet. Den eigenen Kindern Brote nur zu leihen wäre bereits ein Verstoß gegen die „elterliche Sorge" und hätte im schlimmsten Fall sogar den Entzug des Sorgerechts zur Folge.

Könnte es trotzdem sein, dass hinter diesem auf den ersten Blick geschäftsmäßigen Denken des Mannes aus Bagdad ein kleines Stück Pädagogik verborgen ist? Sein „Leihen" ist in Wahrheit doch ein „Schenken". Die Brote, die er seinen Kindern täglich kaufte, hat er nie gezählt. Der Mann aus Bagdad wollte seine Kinder nicht ausbeuten, sondern ihnen deutlich machen, dass das, was er als Vater für sie aufbrachte, nicht für selbstverständlich genommen werden sollte.
Achtung vor den Eltern und ihrer jahrelangen Erziehungsarbeit stellt sich oft erst in späteren Jahren ein -nämlich dann, wenn wir selbst Eltern geworden sind und vor der Herausforderung stehen, unsere Kinder in Verantwortung vor Gott zu selbstständigen und mitfühlenden Wesen zu formen.

Gott möge uns jeden Tag bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe leiten und uns Weisheit, Geduld und auch eine gesunde Portion Humor schenken.

Burkhard Mayer

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