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37/2006

Keine falsche Weichheit!

Nathan sprach zu David: „Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?“

2. Samuel 12, 1-14


Wie man mit einem irrenden Mitchristen weise und einfühlsam reden soll, kann man von Nathan lernen. Aber alle Rücksicht diente ihm nur dazu, in der Sache, die bereinigt werden musste, glasklar und hart zu bleiben.

Das wird Nathan nicht leicht gefallen sein. In dem Bösen, das man bei andern entdeckt, wird man ja an seinen eigenen Ungehorsam erinnert. Soll man dann das Unrechte so scharf brandmarken?

Ja! Es geht doch um Heilung. Ein Seelsorger gleicht einem Arzt. Wenn zu dem einer mit einem gebrochenen Arm kommt, wird der doch keine Skrupel haben, nur weil er selbst schon einmal krank war. Er wird entschlossen die Behandlung beginnen, damit der arme Patient rasch wieder gesund wird.

In der Seelsorge reden wir mit Menschen, nicht um sie zu kränken, sondern um den Weg zum Vergeben, zur ganzen Heilung eines Lebens zu weisen.

Darum kurierte Nathan nicht an der Oberfläche herum. Er sprach weder von der Schuld Bathsebas, die leichtsinnig David herausforderte, noch von der Glut des Blutes Davids. Er zeigte aber David, wie er tausendfach unverdient Gottes Güte erfahren hatte. Er stieß ihn darauf hin, wie seine Untat nicht allein Uria traf, sondern den lebendigen Gott verhöhnte und ihn ins Gesicht schlug.

Volle Vergebung kann erst zugesprochen werden, wenn das Bittere der Sünde geschmeckt wird. Der Mord an Uria, so merkwürdig das auch klingt, war das Bitterste noch nicht. Jede uns noch so klein erscheinende Sünde trifft Gottes Liebe ins Herz und macht uns zu Feinden Gottes. Und alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde.

David bat um Vergebung und bekam sie. Doch das eben geborene Kind musste dafür büßen. Uns erscheint das ungerecht. Aber Gott handelt nun einmal so. Vergebung kann nur durch den Tod des Unschuldigen, durch den Tod seines Sohnes, uns zuteil werden.

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