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05/2006

"Betet ohne Unterlass."
1.Thessalonicher 5, 17


"Das ist vor allem etwas für Rentner, die haben ja ,auch den ganzen Tag Zeit dazu", hörte ich einmal als, Reaktion auf diesen biblischen Rat.

Wir haben heute einen Tag voller Aufgaben und Pflichten vor uns, wie sollen wir dabei fortwährend ohne Unterlass beten? Ist das womöglich wieder so ein theoretischer Text, dem wir in unserem Alltag sowieso nicht gerecht werden können?

Andererseits: Gut wäre es schon, wenn wir auch während unserer Arbeit mit all ihren Anforderungen die Verbindung mit Gott hielten. Das könnte unseren Tagesablauf enorm erleichtern!

Allerdings kann ich während meiner Arbeit nicht beliebig oft Gebetszeiten einlegen. Doch das meinte der Apostel auch nicht. Das "unablässige Beten" besteht geradezu in der Überwindung besonders eingehaltener Gebetsformen, die an einen Ort und eine bestimmte Zeit gebunden sind.

Unser Gespräch mit Gott krankt manchmal gerade daran, dass wir es auf besondere Gelegenheiten und Anlässe beschränkt haben. Dann kann die Verbindung zu Gott genau dann abbrechen, wenn wir sie besonders nötig haben. Unsere Art zu beten ist oft zu sehr durch ein formales Verständnis eingeengt.

Beten in seiner ganzen Vielfalt ist mehr. Es besteht nicht nur im Vortragen wohl geformter und gut vorbereiteter Worte und Gedanken, sondern vielmehr in der beständigen Gemeinschaft mit Gott. Beten "ohne Unterlass" bedeutet, egal wo wir sind, den Kontakt mit dem Vater im Himmel nie abreißen zu lassen und sich immer in seiner Gegenwart zu wissen. Das ist auch ohne eine bestimmte Gebetshaltung möglich. Wo man ständig im Kontakt ist, reicht auch schon ein kurzes schnelles Wort, die Verbindung muss nicht erst mühsam hergestellt werden.

In der 1. Klasse einer Grundschule fing mitten im Unterricht ein kleiner junge an zu weinen. Vom Lehrer nach dem Grund gefragt, antwortete er zögernd, "Ich habe das Gesicht meiner Mutter vergessen!" Die anderen Kinder lachten. Der Lehrer aber verstand und schickte den jungen nach Hause, um seine Mutter anzusehen. Zufrieden kam er bald darauf wieder und fuhr fort, seine Buchstaben zu malen.

Beten ohne Unterlass heißt, auch im Alltag, während der Arbeit das Angesicht Gottes vor Augen zu haben und es nicht zu vergessen. So kann er mich auch heute, was ich auch gerade tue, wo auch immer ich bin, sicher führen.

Gerd Dreiling

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