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07/2015

Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.

2. Korinther 5,15 (Hoffnung für alle)

Wir drehen uns um die eigene Achse – das fällt heute schon bei Kindern auf. Sagte man früher:
„Der Michael und ich …“, heißt das heute: „Ich und der Michael …“ Und statt zu beten: „Dein Wil- le geschehe“, denken selbst viele Christen nur noch an sich nach dem Motto: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“
Wer daran festhält, nur für sich selbst zu leben, verpasst das Leben, das Jesus schenkt. Wer für sich selbst lebt, lebt in der Trennung von Gott (die einfachste Definition von „Sünde“) und schadet nicht nur sich selbst, sondern beraubt auch seinen Schöpfer und Erlöser: Er enthält ihm seine Gaben und Fähigkeiten vor, seine Zeit, seine Energie, sein Geld. Leben wir für uns selbst, stecken wir das „in die eigene Tasche“, was Gott uns zu treuen Händen anvertraut hat.

Die Sünde (Einzahl), für die Jesus Christus starb, hat nicht vor allem mit unserem moralischen Ver- sagen und unseren falschen Taten (Sünden in der Mehrzahl) zu tun, sondern damit, dass wir – von Jesus getrennt – ohne eine Vertrauensbeziehung zu ihm (Sünde in der Einzahl, siehe Joh 16,9a) egozen- trisch leben und weder für ihn noch für unsere Mit- menschen. Wir ehren nicht ihn, sondern sind auf die eigene Ehre bedacht.

Jesus ist gestorben, um uns aus diesem verhäng- nisvollen Kreislauf zu befreien. Wenn wir unsere Ausweglosigkeit einsehen und ihn als Herrn und Erlöser annehmen, macht er uns frei von unserem Egoismus; wir beginnen, für ihn zu leben, der sich ganz und gar für uns aufgeopfert hat. Bei Jesus fin- den wir unsere wahre Identität. Indem wir uns von ihm führen lassen, entfalten sich die Gaben, die Gott uns verliehen hat – und zwar umso besser, je mehr wir sie ihm und unseren Mitmenschen in den Dienst stellen.

Wer diese Befreiung erlebt und nicht mehr zuerst nach der Erfüllung seiner Wünsche trach- tet, sondern nach „dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33), wird erleben, wie ihm alles andere zufällt, was er zum Leben wirk- lich braucht. So hat es Jesus in seiner Bergpredigt versprochen: „Wenn ihr für ihn lebt und das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen macht, wird er euch jeden Tag geben, was ihr braucht.“ (NLB)

Albrecht Höschele


© Advent-Verlag Lüneburg

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