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28/2014

[Jesus] sprach: „... Aber dein Wille soll geschehen, nicht der meine!“

Lukas 22,42 (Gute Nachricht Bibel)

„Kismet - Allah hat es so gewollt.“ Diese bekannte Redewendung drückt den Glauben von Muslimen aus, dass alles, was geschieht, von Allah gewollt ist.

„Kismet“ ist ein Wort, das „Schicksal“ oder „Bestimmung“ bedeutet, eine von Allah vorherbestimmte Abfolge von Ereignissen.

Ist die Aussage von Jesus im Garten Gethsemane auch so zu verstehen? Sicher ist sie eine Ergebung in den Willen Gottes, aber nicht in dem Sinne, dass Jesus einfach alles hinzunehmen bereit war, sondern dass er den Willen seines Vaters im Himmel erfüllen wollte. Und der führte zur Erlösung der Menschen leider über das Kreuz auf Golgatha.

Manchmal gebrauchen Christen diesen Satz als Aufforderung, sich einem Geschehen unterzuordnen. Doch „dein Wille soll geschehen“ gilt nur, wenn dieser Wille auch bekannt ist. Er gilt nicht bei Ungerechtigkeiten, die man erleidet, bei „Schicksalsschlägen“ oder bei eigenen Fehlern.

Christen sind nicht aufgefordert, einfach alles hinzunehmen (vielleicht gar als Wille Gottes), erst recht nicht Ungerechtigkeiten an anderen Menschen oder sich selbst. Auch Jesus hat das nicht getan. Während seines Verhörs wurde er von einem Knecht des Hohenpriesters ins Gesicht geschlagen. Er hielt aber nicht die andere Wange hin (wie er es in der Bergpredigt von seinen Nachfolgern anscheinend verlangt hatte, siehe Mt 5,39b), sondern verteidigte sich: „Wenn ich etwas Unrechtes gesagt habe, dann weise es mir nach! Bin ich aber im Recht, warum schlägst du mich?“ (Joh 18,23 GNB) Er ergab sich hier nicht einfach den Umständen oder seinem Schicksal.

Die oben zitierte Aussage von Jesus zeigt uns, dass es richtig ist, eigene Wünsche zu haben. Jesus wünschte sich, vor der Kreuzigung verschont zu bleiben. Er bat: „Vater, wenn es möglich ist, bewahre mich vor diesem Leiden.“ (Lk 22,42a Hfa) Seine Erfahrung zeigt aber auch, dass es Gott bei all seiner Liebe (die er zu seinem Sohn sicher in einem außergewöhnlichen Maß hatte; siehe Lk 3,22b) nicht immer möglich ist, uns den schweren Weg zu ersparen.

Mögen wir wie Jesus den Mut haben, zu Gottes Willen Ja zu sagen, selbst wenn uns das Schweres und Leiden abverlangt. Wir können es aus dem Vertrauen darauf, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ werden (Röm 8,28 EB).

Werner E. Lange


© Advent-Verlag Lüneburg

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