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40/2013

Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

1. Samuel 16,7b

Zu den imposanten Laubbäumen in Europa zählen auch die Buchen, vor allem, wenn sie freistehend im Laufe vieler Jahre ihre Kronen voll entfalten konnten. Und die Wurzeln, die sich im Boden ungehindert ausdehnt haben, geben solchen Bäumen den notwendigen Halt im Rhythmus der Jahreszeiten. Es gibt jedoch einen Parasiten, der bevorzugt Buchen befällt. Es ist ein Pilz, der Riesenporling (lat. Meripilus giganteus), der die Wurzeln zersetzt, ohne dass dieser Vorgang von außen erkennbar ist. Erst wenn der Fäulnisprozess in den Wurzeln schon weit fortgeschritten ist, wird der Riesenporling als dachziegelartig wachsender Pilz an der Erdoberfläche sichtbar. Daher ist das Auftreten des Pilzes ein Zeichen für die Zersetzung der tieferliegenden Wurzeln und der daraus resultierenden Instabilität des Baumes.

Machen wir nicht manchmal ähnliche Erfahrungen bei uns Menschen? Lassen wir uns vielleicht auch von Äußerlichkeiten beeindrucken und blenden? Erwecken wir nicht manchmal den Eindruck, wir seien den Stürmen des Lebens gewachsen und könnten mit den Herausforderungen des Alltags umgehen, aber die Realität sieht dann oft ganz anders aus? Gibt es nicht auch in unserem Leben „Pilze“, die zuerst unbemerkt, aber stetig unsere „Lebenswurzeln“ durch Fäulnis zersetzen? Wie geht es unserem „Innenleben“, das uns Halt geben sollte?

Gott kennt uns, wie wir wirklich sind. Er sieht unsere Schwachheit und unser Versagen, auch die Versuchungen, die uns bedrängen. Er bietet uns beides an: einen ungeschminkten Blick in unser Inneres, der uns bewusstmacht, wie sündhaft und erlösungsbedürftig wir sind, aber auch einen befreienden Blick in seine Liebe und seine Bereitschaft, uns zu erlösen. Das eine brachte David in seinem Gebet zum Ausdruck, das andere Jeremia: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz.“ (Ps 139,23a) „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jer 17,14a)
Wir haben einen wunderbaren, liebevollen Gott. Wir brauchen ihm nichts vorzumachen, sondern dürfen ehrlich und hilfesuchend in seine Gegenwart treten – auch heute!

Dagmar Heck


© Advent-Verlag Lüneburg

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