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30/2013

Es sprach aber einer zu [Jesus]: „Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden?“ Er aber sprach zu ihnen: „Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können.“

Lukas 13,23.24

Eine interessante Frage: Wie viele werden selig werden? Was meint wohl Jesus dazu? Viele empfinden einige seiner Aussagen als ziemlich radikal, so auch seine Antwort im heutigen Andachtstext. Heute glauben manche, dass es schwer sei, erlöst zu werden, Andere wiederum, dass es schwerer sei, verlorenzugehen. Wer hat nun Recht?

Warum stellte jemand Jesus so eine Frage? War das ein Statistiker? Oder war es einer, der damit eigentlich sagen wollte, dass Gott zu hart ist und die Latte zu hoch hängt? Oder umgekehrt, der meinte, Gott solle nicht so liebevoll mit den Sündern umgehen wie Jesus das tat? Wollte er Jesus eine Falle stellen oder einfach nur hören: „Na, du gehörst auf jeden Fall dazu.“?

Was wäre denn eine akzeptable Antwort? 50 Prozent? 20 Prozent? 5 Prozent? So eine Antwort gab Jesus nicht. Er war kein Statistiker. Wenn man Jesus eine Frage stellte, dann bekam man keine Zahl genannt, sondern hörte eine Aufforderung: „Kümmere dich nicht um die Anderen! Ringe darum, selbst dabei zu sein.“ Diese Antwort ist besser als eine Prozentzahl, aber das mit dem Ringen stört mich dennoch, denn es hört sich so an, als wäre es eine knifflige Angelegenheit, ins Reich Gottes zu kommen.

Genau das ist aber die Antwort Jesu. Er will mich verstören. Er holt mich zurück in die Realität des Lebens. Das Leben ist nie konfliktfrei - ob man ein Christ ist oder nicht. Wer an der Schwelle zu der Entscheidung stand, sich Jesus anzuschließen, weiß um das Ringen und die Kämpfe. Es geht ja gar nicht um das Ringen, die Bedingungen für den Eingang ins Reich zu erfüllen. Die hat Jesus ja für uns erfüllt. Die Tür ins Reich Gottes heißt Gnade. Sie ist unverschlossen und man kann mühelos hindurchgehen. Ringen tun die Menschen darum, ob sie durchgehen wollen. Denn unser menschliches Wesen - genauso wie unsere Gesellschaft - funktioniert nicht nach den Regeln der Gnade, sondern der Leistung.

Das wollte Jesus dem Fragenden nahelegen: Hör auf zu fragen, wer gut ist, und wer besser oder wer würdig ist oder nicht. Wenn du diese Gedanken besiegt hast, kannst du Gottes Gnade einfach annehmen und hineingehen.

Dennis Meier


© Advent-Verlag Lüneburg

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