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50/2012

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

1. Mose 1,27a

So steht es auf einer künstlerisch gestalteten Bronze Tafel im Eingangsbereich eines Altenheims - in großen Buchstaben - für alle Besucher gut lesbar. Manche der Bewohner sind jedoch schon hinfällig oder altersverwirrt; andere haben Gebrechen verschiedenster Art. Da mag sich, wer nicht an Gott glauben kann oder will, durch diesen Satz aus dem Schöpfungsbericht vielleicht eher provoziert fühlen; zweifelnd fragt sich mancher, ob solche behinderten und schwerstpflegebedürftigen Menschen zum Bilde Gottes geschaffen sein sollen. Ist das ein Hohn? Nein - es ist ein Trost! Denn Gott sieht uns als seine Geschöpfe, und zwar so, wie er sie einst erschaffen hat und wie wir in Zukunft einmal sein werden!

Was wir heute bruchstückhaft erkennen, ist infolge der Sünde nur Vergängliches. Der Glanz, den wir verloren haben, wird aber durch Christus neu erweckt und als Folge der Erlösung werden auch jene, die ihm in „gesunden" Tagen nachgefolgt sind, einst in seiner Herrlichkeit neu erstrahlen. Weil Gott unser Herz kennt, sind wir bis dahin auch in unserer Vergänglichkeit bei ihm am besten aufgehoben.

Selbst wenn unser Leben beschädigt oder behindert ist, steht unsere Würde als Geschöpfe Gottes nicht zur Debatte. Denn der Schöpfer hat ja nicht etwa beim Affen „Maß genommen" und dann noch ein paar Prozent Intelligenz darauf gelegt, um nach einer Millionen Jahre dauernden „Evolution" endlich einen fertigen Menschen zu präsentieren. Nein: Er hat an sich selbst Maß genommen und dann uns Menschen auf einen Schlag als sein Gegenüber geschaffen. So sind wir tatsächlich Gott ähnlich, von ihm mit Würde ausgestattet. Und mancher Alte, Kranke oder Behinderte ist schon in unserer Zeit vielen Mitmenschen gerade so zum Segen geworden.

Der Psalmschreiber staunt darüber, und auf die Frage: „. was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?" gibt er eine geradezu prophetische Antwort: „Denn du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Pracht krönst du ihn." (Ps 8,5.6 EB). Solche Hinweise machen mir Mut, mein heutiges Schicksal - als vorübergehend - anzunehmen.

Ich freue mich darauf, diese Neuschöpfung zu erleben - an mir selbst und an den Menschen, die sich nach Heilung sehnen!

Albrecht Höschele


© Advent-Verlag Lüneburg

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