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31/2012

Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte: „Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht!“ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf. Nach ein paar Tagen machte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil zu Geld und zog in die Fremde. Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles.

Lukas 15,11-13 (Gute Nachricht Bibel)

Die zentrale Person dieser Geschichte ist offensichtlich der Vater. Gewiss, er mag auf den ersten Blick zu nachgiebig erscheinen. Hätte er nicht härter durchgreifen müssen, um dem aufsässigen Sohn zu zeigen, wer der Herr im Hause ist? Nach meinem Geschmack schon. Doch er verhielt sich eben nicht so, sondern ging auf das unerhörte Begehren des Sohnes ein.

Da Jesus hier nur gleichnishaft von einer orientalischen Familie spricht, in Wirklichkeit aber Gott und uns Menschen meint, heißt das im Klartext: Gott zwingt keinem die Geborgenheit im Vaterhaus auf. Selbst dem, der sich von ihm abwendet, entzieht er nicht die Lebensgrundlage.
Ich habe mich immer gefragt, warum der Sohn eigentlich gegen den Vater aufbegehrte, obwohl es ihm zu Hause an nichts fehlte. Möglicherweise fühlte er sich eingeengt, weil er sich in eine Ordnung einfügen musste, deren Regeln nicht er bestimmte. Er wollte wohl selbst festlegen, was richtig und falsch, was zu tun und zu lassen war. Selbstverwirklichung und das Bleiben im Vaterhaus schienen ihm nicht miteinander vereinbar zu sein.

Das ist das Typische in der Geschichte der Menschheit und im Leben des Einzelnen: immer wieder die Versuchung, aus der Beziehung zu Gott auszuscheren. Glaube, Frömmigkeit, Gemeinde und Verantwortung vor Gott verlieren für viele zunehmend an Bedeutung. Selbst für diejenigen, die noch „religiös“ sind, ist die Religion oft nicht viel mehr als kultische Verzierung, die mit dem eigentlichen Leben wenig gemein hat. Das heißt: Getan wird, was gefällt oder Vorteile bringt! Aber ein Leben nach diesem Grundsatz geht nicht gut - damals nicht und heute nicht.

Günther Hampel

Gib nie einen Menschen oder die Hoffnung auf ihn lieblos auf, denn es könnte selbst der verlorene Sohn, der am tiefsten Gesunkene, doch noch gerettet werden, der erbittertste Feind, auch der, der dein Freund war, doch wieder dein Freund werden, die Liebe, die erkaltete, doch wieder entbrennen.
(Sören Kierkegaard)



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