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26/2012

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

1. Mose 2,3

Eine Bank am Tegernsee, an der Promenade von Bad Wiessee. Drüben am anderen Ufer liegt der Ort Tegernsee, im Süden das malerische Kirchlein von Rottach. Oft stelle ich mir vor, dass ich alle Zeit der Welt habe und auf meiner Bank am Tegernsee sitzen kann, völlig absichtslos und so lange, wie es mir gefällt.

Auszuprobieren, wie lange man ganz zweckfrei und absichtslos auf einer solchen Bank sitzen kann, ist eine gute Übung. Ist noch genug innere Ruhe vorhanden, oder ist der Druck schon so groß, dass man nach wenigen Augenblicken wieder aufspringt? Es ist erstaunlich, aber viele Menschen schaffen es nicht, länger als fünf Minuten auszuharren. Dass viele von Natur aus dazu neigen würden, es sich gemütlich zu machen, ist ein Irrtum.

Die Fähigkeit zum Innehalten, zum „Einfach nur-da-sein“, zur Ruhe und Muße ist vielen verloren gegangen. „Vom Zauber der Muße“ heißt ein wunderbares Büchlein von Anselm Grün. Dabei bedeutet Muße keineswegs, nichts zu tun, nur faul zu sein oder sich hängen zu lassen - obwohl man gelegentlich auch einmal faul sein sollte. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Vor allem Christen haben damit oft Schwierigkeiten, weil sie jederzeit fleißig für Gott und die Gemeinde arbeiten möchten und sich deshalb keine Ruhe gönnen, manche nicht einmal am Sabbat.
Ein alter Adventistenpastor sagte vor vielen Jahren in einem Radiointerview: „Wir haben immer nur für den Herrn gearbeitet. Ein einziges Mal bin ich einen Tag mit meiner Frau im Wald spazieren gegangen. Das war ein verlorener Tag.“ Er hat wohl irgendetwas falsch verstanden und offenbar nicht gemerkt, warum Gott einen Ruhetag für uns einrichtete - uns sogar gebot, an diesem Tag keine Arbeit zu verrichten (2 Mo 20,10) - und was dieses Geschenk für uns bedeutet.

Ja, wir brauchen die Muße, das „absichtslose Verweilen“, denn wir müssen immer wieder Kraft schöpfen und auftanken. Nur so ist es möglich, wieder mit vollem Einsatz unsere Aufgaben zu erfüllen, denn meist kommen die guten Gedanken, die kreativen Ideen erst beim Innehalten. Heute ist Sabbat, und wir haben alle Freiheit, den „Zauber der Muße“ zu genießen!

Heidemarie Klingeberg



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