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19/2012

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Matthäus 6,33

Die Konsequenz dieser Aufforderung Jesu ging mir zum ersten Mal bei einer Begegnung auf, die schon viele Jahre zurückliegt. Als Student beeindruckte mich ein adventistischer Historiker, der an der Universität Oxford lehrte. Professor D. S. Porter erzählte uns, dass er von seinen Kollegen in Oxford nicht als ein typischer Engländer angesehen wurde, obwohl er - in meinen Augen - alles hatte, was ich mit einem typischen Oxford-Engländer verband, von der äußeren Erscheinung bis zum besonderen Akzent. Doch seine Kollegen meinten, ein typischer Engländer habe sein Haus, seinen Club, seinen Sport, seine Religion und auch noch seinen Spleen. Das alles aber schön nebeneinander. Er, als Adventist, habe aber vor allem seinen Glauben und erst danach käme alles andere. Dadurch sei er kein typischer Engländer mehr.

Was bestimmt die Werteskala in unserem Leben? Jesus verlangt tatsächlich eine Radikalität des Glaubens (im wörtlichen Sinn des Wortes radix = Wurzel, nicht im heutigen Sinn des Wortes radikal = extrem, rechthaberisch, lieblos und gewaltbereit). Er will der Herr sein, vor allem anderen. Dabei geht es nicht darum, dass ich eine theoretische Reihenfolge aufstelle wie: Was ist wichtiger, die Liebe zu Gott oder die Liebe zu meiner Frau oder meinen Kindern? Das ist unsinnig. Sondern Jesus möchte, dass alles in meinem Leben verwurzelt ist im Vertrauen zu ihm. Seine Gesinnung soll alles durchdringen. Alles, was ich denke und tue, soll sich daran orientieren, wie er ist und was er will. Wenn seine „Königsherrschaft“ so an erster Stelle steht, „wird das Übrige alles dazugegeben“. Das bedeutet, er wird auch die Liebe zu meiner Frau oder zu meinen Kindern wachsen und mein ganzes Leben gelingen lassen.

Ein so entschiedenes Gottvertrauen zeigt Wirkung. Auch wenn es nicht das Ziel ist, sich von den Mitmenschen im Umfeld abzuheben, wird doch wahrgenommen, dass sich ein überzeugter Christ vom „Durchschnittsbürger“ unterscheidet. Er ist eben kein typischer Zeitgenosse mehr. Solche „untypischen“ Menschen braucht die Welt. Darum sendet Jesus seine Nachfolger in die Welt. Von ihnen erwartet er nicht nur etwas „Besonderes“ (Mt 5,47), sondern dadurch macht er sie auch zu etwas Besonderem.

Lothar Wilhelm

© Advent-Verlag Lüneburg

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