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41/2010

Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat. Auf diese Weise wird Gott geehrt.

Römer 15,7 (Hoffnung für alle)

Das Gefühl, abgelehnt zu werden, belastet Menschen schwer. Wird jemand nicht akzeptiert, weil er ein „schräger Vogel“ ist oder sich unmöglich benimmt, erscheint das menschlich verständlich. Die Ursache ist oft: Wer sich selbst nicht annehmen und lieben kann, kann auch andere nicht vorbehaltlos annehmen und lieben. Er benutzt sie, um seine innere Leere zu füllen, und wird in der Folge wieder von anderen abgelehnt.

Jesus nahm alle Menschen, die ihm begegneten, ohne Vorbehalte an - ganz gleich, ob sie verachtete Ausländer waren oder schmutzige Bettler, fromme Typen oder offensichtliche Sünder. Seine Liebe gilt allen Menschen - nicht nur den angenehmen, liebenswerten Persönlichkeiten, sondern auch denen, die Ecken und Kanten haben. Das durften viele erfahren, die sich einsam, unverstanden oder verachtet fühlten. Wer aber Liebe und Annahme verspürt, der blüht auf und sieht wieder einen Sinn im Leben.

„Nehmt euch gegenseitig an“, ruft uns Paulus zu und weist auf das Vorbild Jesu und die Erfahrung, die jeder Nachfolger Christi gemacht hat: Selbst von Christus angenommen worden zu sein, wie er ist (Röm 15,7 GNB).

Damit sind wir dem Teufelskreis von Ablehnung, mangelnder Selbstannahme, der Unfähigkeit, andere anzunehmen und der folgenden Ablehnung entronnen. Ein positiver Kreislauf ist in Gang gesetzt worden: Weil Christus uns angenommen hat, können wir uns auch selbst annehmen und müssen nicht mehr andere zur Stillung unseres Hungers nach Annahme gebrauchen oder einen Ersatz wie Alkohol oder Nahrungsmittel. Wir können sie annehmen, wie sie sind, und ihnen Gutes erweisen. Wir haben den Kern des Evangeliums erfahren und können es anderen zeigen. Das ist wirkungsvoller als alle Worte.

Doch was ist, wenn mir der andere unsympathisch ist, er mir gar feindlich begegnet und in mir der Drang herrscht, es ihm heimzuzahlen? Jesus hat dazu in der Bergpredigt praktische Vorschläge gemacht: „Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ (Mt 5,44.45) Wenn wir Jesus bitten, unser Herz zu verändern und uns die Kraft zu schenken, das auszuführen, was er erwartet, werden wir erfahren, dass es möglich ist: Wir können selbst unsere Feinde annehmen. So wird Gott geehrt und seine Liebe demonstriert.

Siegfried Wittwer

© Advent-Verlag Lüneburg

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