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36/2010

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

1. Korinther 13,12

Dieser Text steht im Zusammenhang mit der Aussage des Apostels Paulus, dass unser Wissen und selbst die prophetische Rede Stückwerk sind (1 Kor 13,9). Unsere menschliche Erkenntnis ist begrenzt und das trifft in besonderer Weise auf unsere Gotteserkenntnis zu. Manches erscheint uns aus unserer Perspektive nicht nachvollziehbar, was Gott in seinem Wort von sich selbst offenbart.

Auf meiner kleinen Kompaktkamera steht: „Fokusbereich: ein Meter bis unendlich.“ Ich weiß, was mit dieser Angabe gemeint ist, aber ich kann mir weder räumliche noch zeitliche Unendlichkeit vorstellen. Gott sagt jedoch von sich, dass er „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist (Ps 90,2). Unfassbar für meinen Verstand!

Bei manchen biblischen Berichten erscheint mir Gottes Handeln als ungerecht. Es passt nicht zu meinem Gerechtigkeitsempfinden, dass Usa sterben musste, weil er die Bundeslade vor dem Sturz vom Wagen bewahren wollte (2 Sam 6,6.7). Und wie der liebende Gott mit seinem treuen Diener Mose umging - erscheint mir unerbittlich und hart zu sein (5 Mo 3,26.27).

Jesus hat mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16) sehr deutlich gezeigt, dass Gott in seiner Gerechtigkeit ganz anders entscheidet, als selbst der gerechteste Mensch es tun würde. Erst wenn ich Gottes Wort in seiner Gesamtaussage überdenke, wird mir Stück für Stück - eben „stückweise“ - deutlich, dass Gott in seiner Gnade und Barmherzigkeit doch sehr liebevoll handelte.

So hat er zwar Mose den Einzug in das irdische verheißene Land verweigert, hat ihn aber bald nach seinem Tode auferweckt und in das himmlische verheißene Land einziehen lassen. Mose durfte auf dem Berg der Verklärung mit Jesus sprechen, der im Begriff war, für alle Menschen den Weg zum ewigen Leben zu eröffnen. Mose wurde irdisch bestraft und himmlisch beschenkt.

Gott will uns in seiner Liebe immer mehr schenken, als wir begreifen können. Es kommt nicht darauf an, Gott ganz zu verstehen, sondern ihm zu vertrauen.

Harald Weigt

© Advent-Verlag Lüneburg

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