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29/2010

Danach, als ich aufblickte, sah ich am Himmel eine offene Tür.

Offenbarung 4,1a (Hoffnung für alle)

Mein Dienstweg als Pastor führt mich fast wöchentlich an einer Autobahnkirche vorbei. Dieses evangelische Gotteshaus hat immer geöffnet. Gern blättere ich im ausliegenden Gästebuch und sehe, wie Reisende davon Gebrauch machten, um einige Gedanken zu Papier zu bringen.

Bei etlichen Einträgen halte ich inne. Jemand schrieb: „Der Verlust meiner Frau erscheint mir noch immer wie ein böser Traum. Wie kann ich darüber zur Ruhe kommen? „ Mitten in der Nacht formulierte ein anderer: „Gott, wenn ich an meine Zukunft denke, mache ich mir Sorgen. Werde ich noch einmal gesund werden?“ Daneben drückt ein Beitrag tiefe Dankbarkeit aus. Auf der nächsten Seite folgt das Gebet einer Mutter für ihren Sohn und seine Familie. Und auch das finde ich darin: „Gott, ich danke Dir, dass ich wieder hier sein darf und diese Stille genießen kann.“

Natürlich gibt es auch Banales. Nicht alle, die sich hier eingetragen haben, sind gläubige Menschen. Aber die Sehnsucht nach Halt im Leben oder nach Frieden ist bei etlichen deutlich zu spüren.

Auch im Himmel gibt es stets eine offene Tür, wie Johannes sah. Was bedeutet das für mich? Auf der Fahrt durch den Alltag bin ich bei Gott immer willkommen und werde allezeit erwartet. Nie komme ich in einem ungünstigen Augenblick. Was immer ich ihm vortrage – für alles hat er ein offenes Ohr und ein weites, liebendes Herz. Ich kann ihm meine handfesten Probleme anvertrauen und über den täglichen Kleinkram, den Ärger und die Sorgen mit ihm sprechen.

Den meisten von uns ist das gut bekannt. Woran mangelt es dann? Oft einfach am Anhalten, um einfach innezuhalten. Wer nimmt schon gern den Fuß vom Gaspedal, wenn es gerade einmal gut rollt? Termine müssen eingehalten werden und der Tagesplan ist übervoll.

Gerade deshalb sind solche Stoppzeiten wichtig, um nicht auszubrennen. Nicht jeden Tag gelingt es mir, obwohl ich weiß, welch ein Segen diese Zeiten sind. Aber heute möchte ich mich wieder neu daran erinnern: Die Tür im Himmel ist stets offen und ich bin bei Gott allezeit willkommen! An dieser Gelegenheit möchte ich nicht vorbeigehen.

Wilfried Krause



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