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21/2010

Der Herr blicke euch freundlich an und schenke euch seine Liebe!

4. Mose 6,25 (Gute Nachricht Bibel)

Bei einer Stadtführung in Büdingen habe ich die „Büdinger Elle“ kennen gelernt. Die Länge des Stabes war das gültige Maß, vor allem beim Stoffverkauf im Mittelalter. Die Menschen aus der Umgebung haben hier gerne eingekauft, weil die „Büdinger Elle“ mit ihren 65 Zentimetern länger war als die Ellen an anderen Marktorten. Die „Frankfurter Elle“ zum Beispiel war nur 54 Zentimeter lang.

Heute ist ein Meter ein Meter und überall 100 Zentimeter lang. Alle Maße und Gewichte sind genormt und werden regelmäßig geprüft.

Unter dem Stichwort „Zertifizierung“ werden auch für Organisationen immer mehr Standards festgelegt. Anders als im technischen Bereich geht es dabei aber nicht um Material, sondern um Menschen.

Bleibt in unserer „normierten“ Gesellschaft vielleicht die Menschlichkeit auf der Strecke? „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ So heißt es in Artikel 3 unseres Grundgesetzes. Ich halte das für richtig – und dennoch können nicht an jeden Menschen die gleichen Anforderungen gestellt werden. Menschen brauchen Menschen, die auf etwas anderes sehen als auf Maßstäbe und Normen.

In der Bibel wird erzählt, wie Samuel von Gott den Auftrag bekam, einen König unter den Söhnen Isais zu salben. Zur Auswahl standen acht Brüder. Samuel legte menschliche Kriterien an: Ein König musste groß und beeindruckend sein. Dass er am Ende den jüngsten und kleinsten zum König salbte, lag daran, dass er sich nach Gottes Maßstab richtete: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1 Sam 16,7) Das Herz ist nach biblischem Verständnis der Ort des Denkens und Wollens. Daran ist Gott interessiert!

Dieser Ansatz Gottes kann keine objektiven Bewertungen und Ausleseverfahren ersetzen. Er zielt vielmehr darauf, dass Menschen zu Persönlichkeiten werden, die in Liebe und Respekt mit sich und anderen umgehen.

„Der Herr blicke euch freundlich an und schenke euch seine Liebe.“ (4 Mo 6,25 GNB) Dieser liebende Blick Gottes kann nicht in Standards, Zeitvorgaben oder Fragebögen gefasst werden. Er kann aber als innere Orientierung in jede unserer Begegnungen mit einfließen. Ich bin sicher: Das wird die Welt freundlicher und friedlicher machen!

Beate Strobel



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