You are here: Andacht der Woche
Return to: Home
General:

20/2010

Denn er befehlt seinen Engeln, dich zu beschützen, wo immer du gehst. Auf Händen tragen sie dich, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.

Psalm 91,11.12 (Neues Leben)

Wir Christen lieben diesen Psalm, denn er enthält eine großartige Schutzzusage Gottes. Nichts Schlimmes wird uns passieren. Wir lesen sie am Krankenbett, wir hören sie vielfach vertont. Warum eigentlich? Jeder halbwegs ehrliche Christ muss doch zugeben, dass er nicht immer von Engeln getragen wurde und sich manche Beule an steinharten Problemen geholt hat. Und das ist noch harmlos. Andere kamen nicht mit einer Beule, ja nicht mal mit dem Leben davon. Die Bibel berichtet von vielen Menschen, die es anders erlebt haben, gerade weil sie Gott treu waren.

Kein Wunder, dass es der Teufel war, der Jesus auf die Zinne des Tempels führte und ihn dann mit diesen Worten aus Psalm 91 in eine Versuchung führte (Mt 4,5.6). Warum auf den Tempel und nicht an den Rand irgendeines Abgrunds? Warum diese Kulisse? Man nimmt an, dass dieser Psalm besonders im Tempel gesungen und gebetet wurde – ein Wechselgesang der Wallfahrer, die nach mancherlei Strapazen und vielen Steinen, an die ihre Füße auf dem Weg gestoßen waren, diese Worte als Zuspruch von Kraft und Mut empfanden. Es wäre, als würde der Teufel sagen: „Im Gottesdienst ist schön heilig singen, aber jetzt zeig doch mal, ob du auch glaubst, was du da singst!“

Jesus aber antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ (V. 7) Damit gibt Jesus uns einen Schlüssel für das Verständnis des Psalms. Dieser Text ist keine Garantie, kein Deal, kein Vertrag, sondern ein Manifest der Liebe.

Komisch, dass gerade diejenigen, die viel Schweres im Leben erfahren haben, so an diesem Psalm hängen. Es liegt also eine Wahrheit darin verborgen, die sich dem Blick des Zynikers und Zweiflers entzieht, der die Bibel nur so liest wie einen interpretierenden Gesetzestext. Ich glaube, das liegt daran, dass ihre Erfahrung sie gelehrt hat, dass dieser Text – wie damals im Tempel – dazu dienen soll, uns der Liebe Gottes zu versichern, uns wieder Mut zu machen, uns die Angst vor dem Leben zu nehmen.

Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit ist diese Zusage bestimmt wahr. Weder muss Gott bewiesen oder widerlegt werden – ob durch diese Worte oder andere -, noch müssen wir uns beweisen durch Mut oder Heldentaten. Jesus bewahrt und schützt uns tatsächlich. Wir müssen nur lernen, die Welt und unser Leben mit Gottes Augen zu sehen.

Dennis Meier



© Advent-Verlag Lüneburg

Go to: 28/2010 38/2010