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18/2010

Deshalb, meine Kinder, lasst uns einander lieben: nicht mit leeren Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit.

1. Johannes 3,18 (Hoffnung für alle)

Eine junge Frau, die mit ihrem Rucksack in den Bergen Colorados (USA) unterwegs war, begegnete einer anderen Frau, die den Berg herunterhumpelte. An einem Fuß trug sie einen improvisierten Schuh aus Ästen und Grünzeug. „Beim Überqueren eines Baches habe ich einen Stiefel verloren“, erklärte sie, darauf angesprochen, ihr behelfsmäßiges Schuhwerk.

Die junge Frau nahm ihren Rucksack von den Schultern, öffnete ihn und holte einen Turnschuh heraus: „Hier, bitte! Sie können ihn mir ja per Post zurückschicken.“ Die andere Frau nahm den Turnschuh dankbar an und beide gingen ihrer Wege.

Einige Tage später fand sich tatsächlich der Turnschuh in der Post der entschlossenen Helferin mit folgender Notiz: „Mich haben einige Wanderer in meiner misslichen Lage angetroffen, aber Sie waren die Einzige, die mir geholfen hat. Ich war so froh darüber! Herzlichen Dank, dass Sie Ihre Turnschuhe mit mir geteilt haben.“

Dies war ein Akt wirklicher Nächstenliebe (griechisch agape). Sie ist nicht ein schönes Gefühl der Zuneigung (philía) oder des Begehrens (eros), sondern eine Einstellung zum Mitmenschen, die aus einem liebevollen Herzen kommt und sich in Worten und Taten zeigt. Nächstenliebe ergreift die Initiative und gibt dem anderen, was er braucht.

Auch in dem Andachtstext betont Johannes, dass die Nächstenliebe sich nicht in guten Worten und Wünschen erschöpfen darf, sondern zur Tat führen muss. Sonst ist sie nicht echt. Man kann geben, ohne zu lieben, aber man kann nicht lieben, ohne zu geben. Mit Erstaunen und Freude habe ich in letzter Zeit vernommen, wie immer wieder Menschen in der Gemeinde und außerhalb anderen spontan ihre Hilfe angeboten haben.

Nicht immer ist tatkräftige Liebe so einfach zu praktizieren wie in dem angeführten Beispiel. Manchmal sind die Probleme des Nächsten recht kompliziert. Wichtig ist nur, die Not des anderen zu sehen und darauf zu reagieren. Es kommt nicht darauf an, perfekte Hilfe zu leisten und alle Probleme zu lösen.

Gott will uns auch heute die Kraft schenken, die Menschen um uns herum aufrichtig und tatkräftig zu lieben.

Christian Frei

© Advent-Verlag Lüneburg

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