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17/2010

Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen.

Matthäus 28,7

So lautete der Auftrag des Engels am Auferstehungsmorgen, den er am leeren Grab Jesu den Frauen erteilte. Schon Tage zuvor hatte Jesus angekündigt: „Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.“ (Mt 26,32)

Warum wollte Jesus seine Jünger in Galiläa und nicht nur in Jerusalem treffen? Hätte Jesus nicht allen sichtbar seine Göttlichkeit demonstrieren können, wenn er sich nach der Auferstehung in Jerusalem vor dem Hohen Rat und den Einwohnern der Stadt gezeigt hätte? Den Ratsmitgliedern hatte Jesus bereits bei seinem Verhör versichert, dass sie ihn erst bei seiner Wiederkunft wiedersehen werden.

Jesus aber lag gerade daran, mit seinen Jüngern noch einmal in Galiläa zusammen zu sein. Dort hatte ihr Weg mit ihm begonnen, dort hatte er sie in seine Nachfolge gerufen, sie unterrichtet und sie zum ersten Mal ausgesandt. Durch sein Sterben am Kreuz waren viele ihrer Hoffnungen zerbrochen. Vieles war ihnen fragwürdig geworden, was sie einst erträumt hatten: Gemeinsam mit ihm auf dem Thron Davids zu sitzen. Ehe mit der Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem die Jünger für ihre weltweite Aufgabe ausgerüstet wurden, wollte Jesus sie noch einmal an die Anfänge und die ersten Erfahrungen mit ihm erinnern. Das sollte sie fortan ermutigen.

Auch uns tut es gut, wenn wir uns auf unser „Galiläa“ besinnen, an die Anfänge unseres Lebens mit Christus. Keiner bleibt von Enttäuschungen in der Nachfolge Jesu verschont. Mancher hat es sich auch in der Gemeinde anders vorgestellt. Mitunter hatten wir unsere eigenen Auffassungen, wie es im Leben mit Jesus gehen müsste. Mancher ist in das eine oder andere Extrem verfallen und hat die gesunde Mitte aus den Augen verloren. Darum mahnt Paulus: „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm.“ (Kol 2,6) Jedes Abendmahl will zu einem Nachdenken über die Grundlage unserer Gemeinschaft mit Christus veranlassen.

Von Zeit zu Zeit brauchen wir solches Erinnern, das uns den Grauschleier von der Seele nimmt. Darum gebot Jesus in der Offenbarung: „Erinnert euch daran, wie ihr die Botschaft anfangs gehört und aufgenommen habt!“ (Offb 3,3a GNB) Wer sich bewusst an sein „Galiläa“ erinnert - an die Anfänge mit Christus, seine Zusagen und die Erfahrungen mit ihm -, der wird sein Vertrauen nicht wegwerfen.

Manfred Böttcher

© Advent-Verlag Lüneburg

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