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45/2009

„Wie ihr wisst, wurde unseren Vorfahren gesagt: ,Du sollst nicht töten! Wer aber einen Mord begeht, muss vor ein Gericht/ Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen Bruder zornig ist, den erwartet das Gericht...“

Matthäus 5,21-22a (Hoffnung für alle)

Die Religionslehrerin spricht über die Zehn Gebote. Ausführlich behandelt sie das fünfte Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren“ und möchte die Kinder anregen, das Prinzip dieser Regel auch auf andere Lebensgebiete zu übertragen. „Fällt euch ein Gebot ein, das uns zeigt, wie ihr eure Geschwister behandeln sollt?“ – “Ich weiß es!“, springt ein 6-jähriger Junge auf, „Du sollst nicht töten ...“

Vor dem Begriff „Mord“ zucken wir instinktiv zurück. Einen anderen erschießen, erstechen, erschlagen, erwürgen – das sind Tabus für anständige Bürger, auch wenn solche Untaten täglich über die Fernsehschirme flimmern.

Dabei beginnt das Morden schon in unseren Gedanken. Wenn ich dem anderen das Recht abspreche, so zu sein, wie er nun mal ist, wenn ich ihn „auf den Mond“ wünsche, dann vernichte ich früher oder später sein Leben und beschädige mein eigenes. Denn niemand kann glühende Kohlen in der bloßen Hand tragen, ohne sich zu verbrennen. Jesus warnt davor, einen anderen als „Idioten“, als hoffnungslosen Fall zu betrachten oder ihn gar zu verfluchen. Er möchte, dass wir uns gegenseitig vergeben, dass wir einander annehmen – mit allen Schrammen und Macken.

„Ich gebe dir eine neue Chance!“ – dieses Wort weckt Hoffnung, macht Mut, streckt den gebeugten Rücken des anderen, lässt ihn durchatmen. Was ich mir für mich selber wünsche, das sollte ich auch dem anderen zugestehen. Freilich kenne ich Härtefälle, wo ein Mitmensch den anderen ständig verletzt und beschädigt und keine Änderung in Sicht ist. Das kann aus purer Bosheit geschehen oder Folge einer Sucht sein. Aus Selbstschutz wird man diesen Leuten besser aus dem Weg gehen.

Wir sind nicht verpflichtet, uns in Gefahr zu begeben, wir müssen uns nicht verletzen lassen, weder körperlich noch seelisch. Wir sollten in einem solchen Fall konsequent reagieren: freundlich und fest zugleich. Die Grenze, die wir durch eine Trennung ziehen, ist allerdings kein Urteil über den „Täter“. Auch der schlimmste Grobian kann sich mit Gottes Hilfe ändern – wenn er will; wenn er sich helfen lässt. Und Gott hilft gern, denn jedes Leben ist ihm wertvoll.

Sylvia Renz



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