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41/2009

Seid aber zueinander gütig, mitleidig und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!

Epheser 4,32 (Elberfelder)

Wem ist das noch nicht passiert? Man sitzt mit einigen Freunden zusammen und spricht über ein interessantes Thema. Langsam wird die Diskussion engagierter, die Positionen verfestigen sich, einer aus der Runde nimmt einen Satz als persönlichen Angriff, und mit einem Mal kippt die Stimmung um. Es gibt zwar keinen offenen Streit, aber die Harmonie ist schlagartig vorbei.

So ähnlich ging es mir vor einiger Zeit. Das eine Wort, ganz anders gemeint und innerlich in einem anderen Kontext gedacht, war ausgesprochen – und die Verletzung ungewollt zugefügt. Geholfen hat mir in diesem Zusammenhang der Rat eines Lehrers aus meiner Studentenzeit. Darum gebeten, seinen Schülern eine Weisheit für ihr Leben mit auf den Weg zu geben, sagte er nur fünf Worte: „Nehmt euch nicht so wichtig!“

Wie wichtig nehmen wir uns, wenn es um unsere Verletzungen geht? In diesem Zusammenhang gibt es ja immer zwei Seiten, eine aktive, also die desjenigen, der verletzt, und eine passive, nämlich die des Verletzten. Beide fühlen sich anschließend häufig im Recht und tragen ihre Argumente und Gefühle plakativ vor sich her. Wer sich und seine Gefühle zum Zentrum seines Handelns macht, wird nur schwer die Hand reichen und eine Brücke zum anderen schlagen können.

Genau gegen diese Selbstzentrierung wendet sich unser Bibeltext. Als Gott den Menschen zum Zentrum seines Handelns machte, wurde Jesus Mensch, starb am Kreuz und legte die Basis zur Vergebung unserer Sünden. Das setzt Paulus uns zum Vorbild und fordert uns zur Güte, zum Mitleid und zum gegenseitigen Vergeben auf. Wer das nicht kann, sollte sich nach den Ursachen fragen. Nicht selten geht es dabei um die Frage, wer und/oder was im Zentrum der eigenen Gefühle und des eigenen Handelns steht. Zu häufig findet sich dort das eigene „Ich“, das uns im Weg steht und den Schritt zum anderen verbaut.

Ich will vergeben und an zugefügten Verletzungen nicht lange festhalten – ein guter Vorsatz, der sich aber nur unter der Leitung des Heiligen Geistes konsequent ausleben lässt. Als Christen leben wir in unseren Familien und Gemeinden von diesem Prinzip. Wie weit diese theoretische Erkenntnis in unserem Leben greift, zeigt sich nur dort, wo Vergeben und um Vergebung bitten praktiziert werden.

Heinz-Ewald Gattmann

© Advent-Verlag Lüneburg

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