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37/2009

Kurze Zeit später begegnete Philippus Nathanael und erzählte ihm: „Endlich haben wir den gefunden, von dem Mose und die Propheten sprechen. Er heißt Jesus und ist der Sohn von Josef aus Nazareth.“ „Nazareth?“, entgegnete Nathanael. „Was kann von da schon Gutes kommen!“

Johannes 1,45.46a (Hoffnung für alle)

Schwarze Haare, braune Augen, dichter, schwarzer Schnauzbart, dunkler Teint. So könnte Jesus ausgesehen haben, denn er lebte im heutigen Nahen Osten. Seine Hautfarbe wäre dunkler als unsere mitteleuropäische. Trotzdem würde Jesus in der Innenstadt von Düsseldorf, auf der Domplatte in Köln, in München oder an den Landungsbrücken von St. Pauli nicht auffallen, denn so sehen viele unserer Mitbürger aus.

Nathanael hat ja auch gar nicht das Aussehen Jesu gestört, sondern die Stadt, aus der Jesus kam. Die Pinneberger sind in Hamburg „unerwünscht“ und die Bergheimer in Köln. Vielleicht ist es ja damals auch so gewesen, dass Nazareth eher eine unbeliebte Stadt war. Landei nennt der Volksmund jemanden, der aus der Provinz kommt und versucht, in der Großstadt zurechtzukommen. Nathanaels Urteil steht schon fest, bevor er Jesus überhaupt kennenlernt.

Na und? Das kennen wir doch! Stellt euch mal vor, jemand wird angekündigt, und ihr kennt den Ort aus den Nachrichten, aber immer nur im Zusammenhang mit negativen Meldungen.

Was hat der Samariter damals getan, als er den Verwundeten am Straßenrand liegen sah? Hat er nachgeschaut, ob der Verletzte ihm sympathisch war, ob er aus der richtigen Stadt kam? In Matthäus 25,40 steht eine Entscheidungshilfe für uns: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Also spielt die Herkunft keine Rolle.

Gehe vorurteilsfrei an deinen Nächsten heran! Bei dem Internet-Auktionshaus eBay kann man einen Käufer oder Verkäufer beurteilen, und dann kann der nächste Kunde sich ein Bild über den Geschäftspartner machen. Geht das im täglichen Leben auch? Und im Glaubensleben? Üble Nachrede ist, glaube ich, keine gute Empfehlung. Wir sollten in unseren Urteilen über einen anderen sachlich bleiben und ihn nicht aufgrund seiner Herkunft verurteilen.

Nathanael hat seine Meinung garantiert geändert, als er Jesus traf. Ich hoffe, du überdenkst heute die eine oder andere Einschätzung auch noch einmal. Ich wünsche dir dafür einen ungetrübten Blick und viel Einfühlungsvermögen.

Holger Hentschke

© Advent-Verlag Lüneburg

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