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53/2008

Der Engel sprach zu den Hirten: Siehe, ich verkündige euch große Freude!

Lukas 2,10

Was für ein Tag war das Jahr für Jahr, wenn es eintraf: Das Weihnachtspaket aus dem Westen. Die Kinder konnten es kaum erwarten, dass Vater von der Arbeit kam. Die Mutter legte die Kittelschürze ab und zog eine frische Bluse an. Schließlich stand die Familie einmütig um das Paket. Zusätzlich zur Anschrift trug es den Vermerk „Geschenksendung — keine Handelsware".

Zuerst entschied das Familienoberhaupt die Frage: „Aufknoten oder aufschneiden?" Viele brachten es nicht übers Herz, der guten Westschnur mit drei oder vier Schnitten einen schnellen Garaus zu machen. Es gab durchweg verklärte Gesichter, wenn uns der Westen auf kleinstem Raum anstrahlte. Obenauf lagen gleich zwei Tafeln Schokolade von Milka und vier von Sarotti. Jeder durfte sie einmal in die Hand nehmen und dabei liebevoll an Tante Gretel denken. Keiner sprach es aus, aber alle dachten es: „Hoffentlich ist der 80-Jährigen ein langes Leben beschieden." Nach zehn Minuten war der erste Rausch verflogen. Die Zutaten für die Weihnachtsstollen kamen in den Schrank, die anderen Dinge wieder zurück ins Paket. Sie lagen später unter dem Weihnachtsbaum.
Als die Supermärkte den Osten erreichten, blieben die Geschenksendungen aus. Millionen von weihnachtlichen Freudenbringern fehlten plötzlich. Schnell gewöhnten wir uns an die Konsumflut und die Hochglanzverpackungen. Was sind heute zwei Milkas! Auch geschenkte Strumpfhosen lassen ein Frauenherz kaum noch höher schlagen.

Mit Gottes „Weihnachtsgeschenk" verhält es sich ähnlich. Wir haben uns an die Geschichte vom Kind in der Krippe gewöhnt. Bei wem kommt noch Freude auf, wenn er davon hört oder daran denkt? Es scheint zu Weihnachten interessantere Dinge zu geben als das göttliche Geschenk. Die Kaufhäuser haben sich schon lange zu Heiligtümern der Nation entwickelt. Kaufgang statt Kirchgang. Bei dieser Konkurrenz hat es das göttliche Geschenk, das Jesus Christus heißt, schwer, wahrgenommen zu werden. Das war in Bethlehem übrigens auch schon ähnlich. Erst Boten vom Himmel gelang es, einige Hirten so neugierig zu machen, dass sie loszogen, um das Geschenk Gottes zu suchen. Als sie es fanden, füllten sich ihre Herzen mit großer Freude. Das kann man auch heute noch erleben. Gott sei Dank!

Wilfried Krause



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