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43/2007

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23,5.6

David hatte viele Feinde: In den umliegenden Völkern (außerhalb der Gemeinde), im eigenen Volk (innerhalb der Gemeinde) - sogar in der eigenen Verwandtschaft und Familie. Und während sie ihm die Pest an den Hals wünschten, war Gott dabei, ihn mit Segen zu überschütten. Das kommt im hebräischen Text deutlicher zum Ausdruck als im Luthertext. Dort wird nämlich nicht das sonst übliche Wort für „salben" verwendet, sondern es ist vom „fetten" die Rede. Was Gott hier schenkt, sind nicht nur ein paar Tropfen Öl, sondern das Haar wird geradezu mit Öl getränkt. Das heißt: Segen in überfließender Fülle. Wie muss das die Feinde erbost haben!

Haben wir Feinde? Wissen wir, wie es ist, wenn uns jemand abgrundtief hasst und uns am liebsten ein Messer zwischen die Rippen stoßen würde? Wenn das nicht der Fall ist, dürfen wir dankbar sein. Wenn es aber zutrifft, dann sollen wir wissen: Gott wird es den Feinden zeigen, auf wessen Seite er steht. Wir müssen nicht Feindschaft mit Feindschaft und Hass mit Hass vergelten. Es reicht, wenn wir Gott das Handeln überlassen. Er wird denen, die uns übel wollen, zeigen, „wo der Hammer hängt". Und noch eins: Es mag sein, dass unsere Feinde ebenso wie wir vor einem gedeckten Tisch sitzen, aber sie können all das nicht genießen, weil ihr Hass es nicht zulässt.
Wir wissen nicht, wann David den 23. Psalm geschrieben hat. Sicher ist: Er war noch lange nicht am Ende seines Lebenswegs, und die Not war keineswegs ausgestanden. Doch die Zuwendung Gottes war schon damals so groß, dass daraus eine unerschütterliche Zuversicht für die Zukunft erwuchs. Diese Zuversicht haben auch wir nötig, jeden Tag neu!

Anlässlich eines Empfangs wurde ein bekannter Schauspieler gebeten, etwas aus seinem Repertoire vorzutragen. Nach kurzer Überlegung rezitierte er eindrucksvoll den 23. Psalm. Kaum hatte er geendet, brandete Applaus auf. Der Künstler fragte, ob denn noch jemand diesen Psalm auswendig kenne. Da erhob sich ein weißhaariger alter Herr vom Kirchenvorstand jener Stadt und begann ganz schlicht: „Der Herr ist mein Hirte ..." Als die letzten Worte verklungen waren, herrschte ehrfürchtige Stille. Da sagte der Schauspieler: „Meine Damen und Herren, das ist der Unterschied. Ich kenne den Psalm, er aber kennt den Hirten!"

Günther Hampel

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