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35/2007

Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

1. Korinther 13,12 (Hoffnung für alle)


Am 10. Juni 1907 veröffentlichten die Brüder Lumiere die ersten Farbfotos. Die Platten für die Farbfotografie arbeiteten mit eingefärbten Stärkekörnchen aus Kartoffeln und einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion. Was heute, 100 Jahre später, die Digitalfotografie leistet, hätten sich die Brüder Lumiere nie erträumen können.

Eine Zwischenstation in der Welt der Fotografie sind die Sofortbildkameras gewesen. Irgendwann legten wir uns als Familie ein Gästebuch an, auf dem wir ein Sofortbild der Besucher einklebten. Jedes Mal haben wir unseren Gästen tröstend versichert, dass sie in Natur viel besser aussehen als auf dem Bild: Die Qualität dieser Sofortbilder war nämlich nicht besonders gut, da weder die Farben noch die Schärfe stimmte. Sie waren auch nicht als Ausstellungsstücke gedacht.

Unser Andachtswort erinnert mich an diese unscharfen Sofortbilder. Wobei das „undeutliche Bild" auf „einem trüben Spiegel" zur Zeit des Paulus sicher noch um einige Stufen unschärfer gewesen sein muss. Unsere heutigen Spiegel zeigen uns erbarmungslos den kleinsten Pickel und jedes Fältchen im Gesicht. Die römischen und jüdischen Frauen haben auf einem damaligen Spiegel (einer blanken Metallscheibe) im besten Falle die Konturen ihres Gesichtes oder ihrer Frisur erkennen können.
Damit sich kein Christ einbildet, er hätte die Wahrheit „im Griff", vergleicht Paulus die Qualität unserer Erkenntnis mit dem undeutlichen Bild auf dem trüben Spiegel. Obwohl wir verschiedene „Spiegel" benutzen, um Gott zu erkennen - sein Wort, unsere Erfahrungen mit ihm -, bleibt unser Erkennen diesseits der Ewigkeit bruchstückhaft (Luther: „Stückwerk"). Das wahre Bild wird beim zweiten Kommen von Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit „enthüllt": Dann werden wir ihn, die Wahrheit in Person, sehen, wie er wirklich ist (l Joh 3,2). Weil der „Schleier" der Sünde unsere Sicht nicht mehr trübt, werden wir klar und deutlich sehen, aber nicht einmal die Ewigkeit wird ausreichen, die Dimensionen des Wesens und der Liebe Gottes gänzlich auszuloten.

Jesus Christus sehen, wie er ist; die Schönheit seines Wesens betrachten und auf Denken und Fühlen wirken lassen. Ob es etwas Schöneres gibt?

Eli Diez-Prida

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