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26/2007

Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.

Apostelgeschichte 16,25


Wie kommen Paulus und Silos nur auf die Idee, Gott ausgerechnet jetzt zu loben? Erstens sind sie von einem aufgebrachten Mob der Obrigkeit überantwortet und soeben gegeißelt worden. Danach hat man sie ins Gefängnis geworfen und ihre Füße in den Block gelegt. Wie können die beiden Gott überhaupt loben? Ist das nicht ein geheucheltes, künstliches, erzwungenes Lob?

Die Antwort auf diese Frage hängt wahrscheinlich davon ab, wie wir Lobpreis definieren. Wenn Lobpreis sich vor allem auf das bezieht, was Gott in unserem Leben tut oder nicht tut, dann müssten wir obige Frage mit Ja beantworten. Wenn Lobpreis aber vor allem damit zu tun hat, wer und wie Gott ist, dann kann Lobpreis auch gerade in schwierigen Situationen Sinn machen und unseren - durch die Not eingeengten -Tunnelblick wieder öffnen.

Denn wenn ich meinen Blick, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist, von meinen Sorgen, von meinen Problemen, von meinen Schwierigkeiten und von meinem Versagen ab- und Gott zuwende, kann das sehr befreiend sein. Die Umstände meines Lebens mögen zwar immer noch dieselben sein, aber meine Blickrichtung hat sich verändert. Ich befasse mich im Lobpreis mit dem Charakter, mit der Liebe und der Treue Gottes. Ist Gott nur dann die Liebe, wenn es mir gut geht? Gott ist und bleibt derselbe, egal wie unsere momentane Lebenssituation aussehen mag. Deshalb macht Loben auch in der Not Sinn, ja vielleicht sogar besonders dann.

Wenn ich auf Gott schaue, taucht neue Hoffnung auf, tiefer Frieden macht sich breit. Ich darf glauben, dass Gott auch jetzt, in der Not, der Herr meines Lebens sein möchte.
Paulus' und Silas' Lob in der Not wird zum Zeugnis für die Mitgefangenen. Gott greift sichtbar ein und führt nach der Wende in der Grundstimmung seiner beiden Diener auch die Wende der Umstände. Gott schenke uns immer öfter die innere Wende, die so oft im Leben der äußeren vorausgeht.

Christian Frei

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