You are here: Andacht der Woche
Return to: Home
General:

20/2007

Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Matthäus 6,34


Der Wecker! Automatisch fährt die Hand aus dem Bett. Oh mein Kopf! Und da sind auch schon die Sorgen, die mir doch schon gestern Abend den Schlaf geraubt haben. Am liebsten noch mal die Decke über den Kopf ziehen - gar nicht erst aufstehen!?
Manchmal schiebt sich da so ein Berg zusammen. Woran alles zu denken, was alles zu erledigen ist. Was kann da nicht alles schief gehen und dann die ganz unliebsamen Dinge: bügeln vielleicht, einkaufen fürs Wochenende und nichts vergessen, das Gespräch mit dem säumigen Angestellten, der Termin beim Chef oder auf dem Arbeitsamt.

Da hat sie es doch gut, meine Amsel da draußen! Seit ein paar Tagen ist sie emsig dabei, Material für ein weiches Polster heranzuschaffen. Sie will sich in der alten Linde vor meinem Fenster häuslich einrichten. Hat sie gar keine Ahnung, wie schwer hier in der Stadt die Futterbeschaffung ist? Sie hat doch keinen Kühlschrank, keine Vorratskammer, keine Sicherheiten, kein Sparbuch für den Notfall. Heute lebt sie ganz und gar für ihr Nest. Und morgen ist sie nur für ihren Bräutigam da, und übermorgen sitzt sie geduldig auf ihrem Gelege, und nichts wird sie aus der Ruhe bringen. Und wenn die Jungen geschlüpft sind, wird sich auch was Fressbares für sie finden. Beneidenswerte Sorglosigkeit! Kann man denn so leben?

Aber mal ehrlich: Könnten wir heute bewusster und sorgenfreier leben, wären wir sicher auch morgen froher und hätten glücklichere Erinnerungen. Nach dem Motto: „Heute sind die goldenen Zeiten, nach denen wir uns morgen zurücksehnen werden!" Wie oft schleppen wir zur heutigen Last auch noch den Ärger von gestern und die Angst und Sorgen für morgen mit uns herum.

Jesus hat gesagt: „Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um keinen Augenblick verlängern." (Mt 6,27 Hfa)

Ist das nicht wahr? Ich meine ja nicht, dass ich meinen Kühlschrank abschaffen und nicht für die Rente versorgen sollte. Aber kann ich nicht doch etwas von „meiner" Amsel lernen? Sollte der, der meiner Amsel so einen wunderschönen Nistplatz reserviert hat, nicht erst recht an mich denken? Ihm will ich meine Sorgen anvertrauen. Dann werde ich auch die Kraft haben, mit einem Dankeschön für diesen schönen neuen Tag aus den Federn zu springen.

Johannes Scheel

Go to: 21/2007 19/2007