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37/2005

Seht auf Jesus Christus: Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, Gott gleich zu sein ... Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.
Philipper 2,5.8 (Hoffnung für alle)

Jesu Sterben am Kreuz hatte vor allem ein Ziel: dass wir verlorenen Menschen Vergebung und dadurch Erlösung empfangen können. Bei Gott gilt: „Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung" (Hbr 9,22), denn „der Sünde Sold ist der Tod" (Rö 6,23).

In unserem Andachtstext betont Paulus, dass sich Christus selbst erniedrigen musste, um uns Vergebung zu schaffen. Über den Abschnitt stellt er die Aufforderung: „Seht auf Jesus Christus!" Hier liegt für uns von der Sünde geprägten Menschen oft der wunde Punkt.

Der englische Schriftsteller Alexander Pope wies auf Folgendes hin: „Ein braver Mann denkt: Keiner, der mir Unrecht getan hat, steht über mir, denn es steht in meiner Macht, ihm durch meine Vergebung überlegen zu sein." Lassen wir den Schuldigen unsere Überlegenheit spüren, wenn wir uns „herablassen", ihm zu vergeben?

Ein Seelsorger erzählte, wie leicht Vergebung auf diese Weise missbraucht werden kann. Ein junger Mann suchte ihn auf und erklärte: „Ich liebe meine Frau und sie liebt mich auch. Aber bei jeder Auseinandersetzung wird sie immer gleich historisch." „Sie meinen, sie wird hysterisch", korrigierte der Pastor. „Nein, sie wird historisch. Sie hält mir alles vor, was ich in zehn Ehejahren falsch gemacht habe. Ich sage dann: ,Aber Liebling, wir haben doch über all die Dinge damals gesprochen. Ich habe dich um Verzeihung gebeten und du hast mir vergeben. Es ist doch alles klar. Warum hältst du mir die alten Geschichten immer wieder vor?' Sie antwortet dann: „Damit du nicht vergisst, was du falsch gemacht hast und was ich dir alles vergeben habe.'"

Wenn Gott so „historisch" mit uns umginge, fänden wir nie inneren Frieden. Christus „erniedrigte sich selbst", um uns Vergebung zu ermöglichen! Und Gott bestätigte seine Ankündigung des Neuen Bundes (siehe Jer 31,31-34) durch den Apostel und nennt als sein bezeichnendes Merkmal: „Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken." (Hbr 8,12)

Vieles in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen verliefe anders, wenn wir mehr auf Jesus schauen und uns an ihm orientieren würden. Vor allem dort, wo es um das Vergeben geht. „Vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat." (Eph 4,32 Hfa)
Joachim Hildebrandt

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