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42/2017
 

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Psalm 139,14

„Der Mensch ist eine Maschine“, meinte einst der materialistische Philosoph Julien de La Mettrie (17091751). Die menschlichen Organe seien den Teilen einer Maschine vergleichbar, und wie eine Maschine funktioniere der Mensch eine Zeit lang, bis er dann aussortiert und „verschrottet“ werde. Diese Schau des Menschen war schon damals falsch, weil sie seine geistige Kreativität nicht einbezog und würdigte.

Der Reichtum und die Komplexität des Lebens wird heute auch von der Naturwissenschaft für den leiblichen Bereich eingeräumt. Der Genetiker Josef Penninger, Träger des Wittgenstein-Preises 2014, spricht von Trilliarden von Zellen, aus denen der menschliche Leib besteht und von denen „Millionen jeden Tag absterben und neu entstehen. Eine Maschine würde nie funktionieren, wenn man sie jeden Tag reparieren müsste.“ Diese pulsierende Lebendigkeit, die sich in stetigem Wachstum - geistlich, geistig und physisch - erweist und zu schöpferischer Kraft befähigt, ist so erstaunlich und beeindruckend, dass wir Davids Ausruf bejahen können: „Ich bin wunderbar gemacht.“

Auch der Naturwissenschaftler kann nicht anders, als enthusiastisch festzustellen: „Es ist ein Wahnsinn, mit welchem Design die Natur spielt.“ Hier freilich eröffnet uns der gläubige und geistgeführte Dichter eine andere Perspektive. Nicht die Natur, sondern ihr Schöpfer ist der große Hervorbringer und Gestalter.

Diese Erkenntnis ist auch der Vernunft zugänglich. Die „Natur“ meint das Entstandene, Geschaffene, und nicht den Planer und Schöpfer. Das, was gemacht ist, kann daher nicht als Letztbegründung gelten. Wenn wir daher im Sinne der modernen Naturwissenschaft die Natur als Wunderwerk erkennen, dann kann sie nur Ergebnis höchster Intelligenz sein.

Am „Wunder“ Mensch geht uns ahnungsvoll die Größe des Schöpfers auf! Der Mensch ist das einzige irdische Wesen, das nicht nur schöpferisch tätig werden kann, sondern auch die Schöpfung zu erkennen vermag. Er kann aus sich heraustreten und über seine Existenz nachdenken. Schneller als das Licht vermag sein Geist das Universum zu durcheilen und bei dem anzukommen, der alles geschaffen hat. Die Erhebung des Geistes zu Gott macht den Adel des Geschöpfes Mensch aus. Herr, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!

Hans Heinz


© Advent-Verlag Lüneburg


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