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40/2017
 

Hört nicht auf zu beten.

1. Thessalonicher 5,17 (Neues Leben Bibel)

Als Jugendlicher besuchte ich die Schule auf der Marienhöhe in Darmstadt und wohnte dort im Internat. Wenn ich am Wochenende meine Eltern besucht hatte, begleitete mich mein Vater am Sonntagabend zum Bus, mit dem ich zum Bahnhof fuhr. Von dort ging es mit dem Zug weiter nach Darmstadt. Kurz bevor ich in den Bus stieg, mahnte mich mein Vater immer: „Vergiss nicht zu beten!“ Er meinte es gut, aber ich verspürte wenig Lust, seinem Rat zu folgen.

Gebet - das bedeutete für mich damals: langes Knien, endlose Aufzählung von Bitten und von Dank, unnatürliche, formelhafte Sprache. Aber wehe, wenn man nicht betet - oder nicht richtig betet. Dann könne und würde Gott einen nicht segnen. Kein Wunder, dass ich zwar betete (gesegnet werden wollte ich natürlich), aber es nur ungern tat, denn ich musste ja akribisch all das aufzählen, wo Gott handeln sollte.
Im Laufe meines Lebens erkannte ich: Beten ist mehr! Es dient vor allem der Pflege der Beziehung zu Gott. Beten ohne Beziehung zu Gott ist wie das Sprechen von Zauberformeln. Und: Die Einstellung (Vertrauen) ist wichtiger als die Form und die Häufigkeit des Betens.

Man muss nicht knien. Man darf auch ganz „zweckfrei“ zu Gott sprechen – beispiels-weise um ihn zu loben oder ihm die eigenen Gedanken mitzuteilen (obgleich er sie bereits kennt). Man kann ohne Worte vor Gott stehen. Man kann singend beten. Man kann seine Klagen zu ihm hinausschreien. Man darf bei einer Gebetsgemeinschaft auch einmal schweigen. Kurz: Man darf authentisch mit Gott reden.

Eine Aussage von Ellen G. White hat mich zum Beten ermutigt: „Beten bedeutet eigentlich, sich Gott wie einem Freund zu öffnen. Nicht, dass wir ihm sagen müssten, wie es um uns steht und was wir brauchen - das weiß er eher und besser als wir selbst, wie Jesus erklärte. Wir müssen beten, um uns zu befähigen, Gott und seine Gaben anzunehmen.“ (Der bessere Weg zu einem neuen Leben, S. 90)

Beten öffnet mir die Augen für das Handeln Gottes. Das Band zwischen Gott und mir wird stärker. Es ist kein leeres Ritual, sondern eine Beziehungstat. Solche Gebete hört und erhört Gott, wie er es versprochen hat: „Wenn ihr, die ihr Sünder seid, wisst, wie man seinen Kindern Gutes tut, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen, die ihn darum bitten, Gutes tun.“ (Mt 7,11 NLB)

Thomas Lobitz

© Advent-Verlag Lüneburg


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