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29/2017
 

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Matthäus 10,32-33

Meine Klassenlehrerin hatte uns den Film Johanna von Orleans (damals mit Ingrid Bergman) empfohlen. Ich war tief beeindruckt vom Mut und von der Glaubensfestigkeit dieser jungen Frau, selbst angesichts der Todesstrafe auf dem Scheiterhaufen. Irgendwie weckte sie in mir den Wunsch, auch so standhaft zu sein, wenn es für mich gilt, meinen Glauben zu bekennen.

Von Petrus wissen wir, dass er versprach, sein Leben für Jesus zu lassen, aber als es während der Gefangennahme Jesu darauf ankam, zu ihm zu stehen, versagte er. Johannes aber folgte Jesus bis in das Gerichtsgebäude und stand auch unter dem Kreuz, um Jesus so nahe wie möglich zu sein.

Wenn Menschen aus Liebe zu Jesus um ihres Glaubens willen mutig waren, bis in den Tod zu gehen, wie viel mehr müsste es in guten Zeiten selbstverständlich sein, uns zu ihm zu bekennen? Doch gibt es immer wieder Situationen, die uns daran hindern, unsere Zugehörigkeit zu Jesus als Begründung unseres Handelns zu erwähnen. Warum ist es uns peinlich oder unangenehm, zum Beispiel in einem Restaurant vor dem Essen zu beten? Oder warum sagen wir nicht, wenn es um den Sabbat geht, als Begründung dafür, dass wir ihn halten: „Der Sabbat ist der Gedenktag der Schöpfung, und ich verehre Jesus als den Schöpfer der Welt.“ Was hindert uns, so persönlich zu formulieren? Fürchten wir, belächelt zu werden oder unser Ansehen zu verlieren?

Was sind uns die Zugehörigkeit zu Gott, unserem Vater, und die Liebe zu Jesus wert? Ist es vielleicht nur eine heimliche Liebe, die andere nichts angeht, weil sie es ja sowieso nicht verstehen?

Jesus nimmt selbst ganz klar dazu Stellung. Unser Andachtswort gilt jedem, der sagt, er sei ein Christ. Jesus ist ja nicht nur der, der unsere Schuld am Kreuz auf sich genommen hat, sondern der auch beim Vater im Himmel für uns eintreten will, damit uns seine Sündlosigkeit zugesprochen wird (vgl. Hbr 4,14-16). Ist das nicht ein Grund, ihn zu lieben und uns zu ihm zu bekennen? Angst kann stärker sein als Überzeugung, aber Liebe ist stärker als Angst!

Marli Weigt


© Advent-Verlag Lüneburg


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