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12/2016
 

Nur dann, wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.

Johannes 8,36 (Neues Leben Bibel)

„Freiheit“ hieß eines der drei Schlagworte der französischen Revolution. Für Freiheit demonstrieren und kämpfen bis heute unzählige Menschen in aller Welt. Sie gilt als eines der Grundrechte des modernen Menschen. Auch viele Christen wehren sich gegen vermeintliche Unfreiheit in ihrer Kirche und verlangen nach mehr demokratischer Freiheit. „Im Namen der Freiheit wendet sich jeder gegen das, was ihm zuwider ist“ (J. Blunck), oft ohne zu bedenken, ob er damit die Freiheit seines Nächsten einschränkt.

Im Germanentum bedeutete Freisein unabhängig zu sein. Doch völlige Unabhängigkeit ist reines Wunschdenken. Sie würde schnell zu totalem Chaos führen, da wir von der Wiege bis zum Grabe von vielen Menschen abhängig sind. Um die Aussagen der Bibel über Freiheit nicht falsch zu verstehen und dann zu missbrauchen, gilt es im Blick auf den jeweiligen Zusammenhang zu fragen: Freiheit wovon und wozu?

Zu welcher Freiheit Jesus uns befreit, macht der Zusammenhang unseres Andachtstextes deutlich: „Wenn ihr euch nach meinen Worten richtet, seid ihr wirklich meine Jünger. Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (V. 31-32 NLB) Das sagte Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten, und forderte sie auf, sich nach seinen Worten zu richten. Dann würden sie die Wahrheit erkennen, die sie frei macht. Die Freiheit, die er uns bringt, ist die Befreiung von Schuld und Sünde; denn, „wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“ (V. 34).

Um die Menschen von dieser Knechtschaft zu befreien, ist Jesus Mensch geworden. Am Kreuz hat er unsere Befreiung vollbracht. Für den Nachfolger von Jesus sind das und alle sich daraus ergebenden Konsequenzen die wahre Freiheit, ein Geschenk an die, die ihr Leben an Jesus binden, an die göttliche Wahrheit und die Quelle wahrer Freiheit. Denn ein Leben ohne den Erlöser in Unabhängigkeit von Gott ist Knechtschaft, auch wenn es noch so frei erscheint. „Freiheit hat einen Namen: Jesus Christus“, sagte Papst Johannes Paul II.

Dem Theologen Eberhard Jüngel ist zuzustimmen: „Wer glaubt, sagt Ja - nicht zu allem und jedem, sondern genau zu dem, was Gott bejaht und zu bejahen nie aufhören wird. Und was Gott bejaht, das verdient Anerkennung, das verdient, in Ehren gehalten zu werden, und dessen kann und soll man sich ungeniert freuen.“

Joachim Hildebrandt


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